1)
"Projekt GhostRider" von Marten Veit
Über der Wüste Nevadas wurde zum wiederholten Mal ein
unidentifizierbares Flugobjekt gesichtet, das sich jeglicher Ortung
entzog, den Funkverkehr unterbrach und Beschleunigungswerte aufwies,
die amerikanische Kampfjets in den nächsten 20 Jahren noch nicht
erreichen werden.
Major Brennigan war seit 19 Jahren für die Air Force tätig.
Er war bereits als Major zu ihnen gestoßen, von irgendeiner
obskuren Regierungsbehörde, und hatte seitdem einige hochgeheime
Spezialaufträge ausgeführt. Als er plötzlich zur NSA
abkommandiert wurde, fand sein Vorgesetzter und Freund General
Peterson keine Worte. Brennigan tat auch sein möglichstes, um
ihm keine Hintergrundinformationen zu liefern. Weniger als eine
Stunde später wurde Brennigan erschossen aufgefunden. Die NSA
interessierte sich brennend für alles um Brennigans Person.
Jeremy McKay war der zuständige Sektionsleiter der NSA und eine
sehr mächtige Person, die nur als Graue Eminenz im Hintergrund
auftrat. Er mußte neben Brennigan noch vier weitere Tote bei
den Spezialisten der Klasse-1-Einstufung verkraften, die innerhalb
des letzten Tages abberufen worden waren. Zusätzlich kam auch
noch eine GR-Meldung herein, die die Sichtung eines Ghost Riders
(Codewort für UFO) meldete.
Das Ghost Rider-Projekt war ein Geheimprojekt der NASA, und jeder,
der unbeauftragt Informationen hierüber erhalten hatte,
mußte befürchten, von einem NSA-Agenten umgebracht zu
werden. So erging es einem Astronomen, der vor Jahren einmal den
Begriff Ghost Rider-Projekt aufgeschnappt und kürzlich ein paar
Fotos von ungewöhnlichen Lichtpunkten im All gemacht hatte. Oder
einem Programmierer bei Houston Control, der nicht einmal
wußte, daß er auf geheime Informationen gestoßen
war.
Lieutenant Judy Davenport wurde auf den Todesfall bei der NASA
angesetzt, und schon bald war klar, daß es Zusammenhänge
mit weiteren Todesfällen gab, die wie Selbstmorde ausgesehen
hatten. Außerdem waren das FBI und die Air Force schon mit der
Befragung der Zeugen beschäftigt, als Judy 90 Minuten nach dem
geschätzten Todeszeitpunkt am Tatort eintraf.
Zum Glück war ihr Freund Paul Batista der Vorgesetzte des Toten
gewesen, so daß sie ein paar zusätzlich Informationen
erhielt. Auch davon, daß erst vor wenigen Stunden eine Ghost
Rider-Meldung in Houston eingetroffen war. Bevor sie aber
weiterbohren konnte, wurde Batista ein weiterer Toter gemeldet.
Diesmal war Judy als erste am Fundort.
Houston Control war wegen des aktuellen Shuttle-Fluges voll besetzt,
und dennoch hatte Jeremy McKay es geschafft, die Ghost Rider-Meldung
geheimzuhalten. Seine Leute bei der NASA und dem FBI hatten gute
Arbeit geleistet. Alles hatte geklappt - bis auf den Tod des
Systemtechnikers. Hier mußte er die örtliche Polizei
zurückpfeifen.
Als Judy den Raum mit dem Toten erreichte, stellte sich die zweite
Überraschung ein. Ihr Tennispartner Cliff Conroy hatte die
Leiche entdeckt, und wieder konnte sie gegenüber den anderen
Behörden punkten. Sie hörte, daß es Beweise
dafür gab, daß der Mörder bestimmte Dateien
gelöscht und Datumsanzeigen an zwei Jahre alten Dateien
verändert hatte, die sich um einen Shuttle-Flug drehten. Dies
war so perfekt geschehen, daß niemand es hätte erkennen
können.
Aber vor zwei Jahren hatte sich ein harmloser Virus mit dem Namen
Santa Claus in das NASA-Netz eingeschlichen. Man konnte ihn leicht
eliminieren, und er zerstörte auch gar keine Daten, sondern
sammelte sie nur auf dem Bildschirm ein. Doch der Virus hatte sich an
viele einzelne Dateien angehängt und aktivierte sich erst dann
selbst, wenn eine solche Datei gesichert wurde. Der Mörder hatte
seine Veränderungen erst am Ende gesichert und Santa Claus
deshalb nicht bemerkt. Darüber hinaus hatte Cliff Conroy ein
paar kleine Dienstprogramme installiert - Sicherheitsroutinen, von
denen der Mörder nichts wußte und denen man nun einige
Informationen über ihn entnehmen konnte.
Schließlich gab es noch einen weiteren bemerkenswerten Aspekt.
Dies hier war der dritte Tote aus Cliffs Abteilung innerhalb von
einer Woche. Sie alle hatten von den Sicherheitsroutinen
gewußt, so daß sie selbst als Verursacher der
Manipulationen ausschieden.
Noch ominöser war, daß die NSA Conroy schlichtweg verbot,
sich weiter um die manipulierten oder gar die Original-Dateien zu
kümmern. Auch hatten sie ihm untersagt, irgendwelche anderen
Unterlagen über die damalige Shuttle-Mission einzusehen. Es
dauerte nicht lange, und McKay hatte die totale Kontrolle
übernommen sowie der örtlichen Polizei ohne Begründung
den Fall entzogen. Der Polizeipräsident untermauerte diese
Vorgehen auch noch. Was Judy jedoch am meisten ärgerte, war die
Bereitwilligkeit, mit der Paul Batista dem zustimmte.
Als sie ihn abends zur Rede stellen wollte, wurde sie von einem
Unbekannten gebeten, noch einmal rasch Cliff Conroy aufzusuchen. Als
sie dort eintraf, versuchte gerade jemand, diesen zu erdrosseln. Der
von der NSA engagierte Mörder befand sich immer noch in einer
Tarnidentität in dem NASA-Komplex, um alle Menschen zu
eliminieren, die dem Ghost Rider-Projekt zuviel Aufmerksamkeit
gewidmet hatten - und um alle brisanten Daten zu löschen. So war
er bald auf Cliff Conroy aufmerksam geworden und hatte diesen
überwältigt. Nur die Tatsache, daß Judy gerade
rechtzeitig auftauchte und den Angreifer erschoß, rettete
ihn.
Da McKay das natürlich gar nicht paßte, ließ er den
Autopsiebericht fälschen und Judy als schießwütige
Psychopathin darstellen. Die Suspendierung ließ dann auch nicht
lange auf sich warten. Eine zweite Autopsie war nicht möglich,
da die NSA die Leiche konfisziert hatte. Da Paul angeblich keine Zeit
hatte, um sich mit ihr darüber zu unterhalten, suchte sie Cliff
auf. Dieser war auf eigenen Wunsch aus dem Krankenhaus entlassen
worden und wieder zur Arbeit gegangen, wo auch ihm Pauls
merkwürdiges Verhalten auffiel.
Außerdem bemerkte er, daß im Lauf der Ermittlungen durch
FBI und NSA immer mehr Dateien aus der Zeit von vor zwei Jahren
einfach verschwunden oder zuvor verschickt worden waren, ohne
daß ein NASA-Mitarbeiter darüber informiert wurde. Obwohl
McKay sie beide ganz deutlich warnte, daß sie mit ihrer Zukunft
spielten, wenn sie nicht genau das taten, was er von ihnen verlangte
- und dies war im wesentlichen, sich herauszuhalten - ließen
sie nicht locker.
Es gab dabei auch nichts, was Cliff nicht genauso gut von zu Hause
aus tun könnte. Dort bekam er einen anonymen Anruf, daß
jemand bereit wäre, ihm mehr Informationen über das Ghost
Rider-Projekt zu geben. Cliff tat dies zunächst als Falle McKays
ab - aber wer konnte schon wissen, was wirklich dahintersteckte?
Zunächst versuchte er jedoch, herauszubekommen, wohin die
verschwundenen Daten geschickt worden waren. Es gelang ihm, als
Empfänger den letzten noch nicht aktiv gewordenen Geheimdienst
zu ermitteln - die CIA. Genau in diesem Moment wurde seine
Haustür aufgebrochen. Bewaffnete Polizisten stürmten
herein, und das FBI nahm ihn wegen Verdachts auf Spionage und
Datendiebstahl fest. Ähnliches geschah bei Judy, bei der der
Verdacht Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz lautete.
Bei beiden wurden mehr als genug Beweismittel gefunden.
Dann tauchte McKay bei ihnen auf und unterbreitete sein Angebot.
Beide Anklagen würden fallengelassen, die Personalakten von
allen Vermerken gesäubert werden. Dafür müßten
beide fristlos kündigen und sich künftig aus seinen
Angelegenheiten heraushalten. Schließlich könne er die
Anklagen jederzeit wieder aufleben lassen. Notgedrungen stimmten die
beiden zu.
Kaum hatten sie alles erledigt - das Verlassen der Stadt war
ebenfalls Bestandteil des Abkommens - meldete sich der Unbekannte,
der sich Buzz nannte, erneut bei Cliff und übergab diesem eine
Diskette und einen Schnellhefter mit Material über Ghost Rider.
Cliff holte Judy ab, und zusammen erfuhren sie mehr über die
Sichtungen der Space-Shuttle-Mission vor zwei Jahren.
So änderten beide ihre Pläne und fuhren in Cliffs Wohnmobil
zunächst einmal nach Westen, um weiter nach dem Geheimnis von
Ghost Rider zu suchen. Ohne zu wissen, daß genau das von McKay
so geplant war.
2) "Flug 19:
Verschollen" von Carter Jackson
Im Juli 1973 wurden über den Black Hills zwei amerikanische
Kampfbomber von "bunten Lichtern" zum Absturz gebracht. Beide Piloten
verschwanden spurlos, auch wenn das Militär später anderes
berichtete.
Dies und weiteres fanden Cliff und Judy in den Unterlagen, die der
geheimnisvolle Buzz ihnen überlassen hatte. Auf der beiliegenden
Diskette mußte noch viel mehr sein. Sie machten sich nach
Uncton County in den Black Hills auf, wo sie sich mit einem
"leuchtenden Vogel" treffen sollten. Es handelte sich um Ruth Sekada,
die sich zunächst sehr verschlossen gab, aber dennoch Buzz
persönlich zu kennen schien. Doch bald taute sie auf. Sie schien
eine Art indianische Schamanin zu sein, auch wenn sie in
gutbürgerlicher Form einen Drugstore führte. Sie brachte
die beiden zur St. Alamos Memorial Church.
Cliff war aufgrund seiner zurückliegenden Erfahrungen vorsichtig
geworden und steckte eine Pistole ein, bevor er den beiden in die
schlichte Kirche folgte. Dort wurde ihnen in der hinteren Kapelle die
mumifizierte Leiche des Jetpiloten Jack Haggard gezeigt, dessen Jet
hier in der Nähe von über 20 Jahren abgestürzt war.
Ruth war damals Augenzeugin gewesen, hatte ihr Wissen aber vor den
Behörden verborgen. Holzfäller hatten die Leiche entdeckt,
und die Dörfler hatten keine Lust, die Behörden zu
informieren, nachdem sie mit diesen zur Absturzzeit bereits sehr
schlechte Erfahrungen gemacht hatten.
Plötzlich hörte Judy vor der Kirche Autos anhalten, und es
gelang den beiden gerade noch, die Kirche durch die Hintertür zu
verlassen, bevor Jeremy McKay mit der State Police hier eindrang.
Dieser versuchte sogleich, Ruth durch die Mangel zu drehen, doch
diese schien vorbereitet und wußte auf alle Fragen ein
plausible und überprüfbare Antwort. Dennoch waren Judy und
Cliff überzeugt, daß hier alles genauso ablief, wie McKay
es geplant hatte. Er schien über jeden ihrer Schritte genau
Bescheid zu wissen und führte sie scheinbar wie Schachfiguren
auf einem Brett. Sie würden künftig sehr vorsichtig sein
müssen, wenn sie dieses Spiel nicht verlieren wollten.
Deshalb schlichen sie durch den Wald zurück nach Uncton. Der
Marsch dauerte ca. 15 Minuten, aber als sie ankamen, war es bereits
Abend, und sie hatten irgendwie fast zwei Stunden verloren. Irgend
etwas Seltsames ging hier vor, und nur die verrückte Wilma
hätte es ihnen erklären können. Seit Jahren lebte die
geistig verwirrte Frau hier im Ort und redete pausenlos von
Unbekannten, die alles sahen und überwachten. Wilma hatte den
Vorfall in der Kirche beobachtet und war den beiden gefolgt, als sie
plötzlich das Licht wiedersah, das sie vor über 20 Jahren
schon einmal gefangen und ihren Irrsinn verursacht hatte. Diesmal war
es aber nicht hinter ihr her, sondern spuckte einen feschen jungen
Soldaten aus, den Wilma in der gleichen Gestalt schon 1973 gesehen
hatte.
Ruth konnte Judy und Cliff die Sache nicht erklären, aber sie
hatte sie bereits davor gewarnt, in den Wald zu gehen. Seltsame
Vorkommnisse schienen dort normal zu sein, was Ruth jedoch nicht im
mindesten beunruhigte. Sie schickte die beiden zu einem abgelegenen
Haus, in das sich die beiden Fluglotsen zurückgezogen hatten,
die kurz nach dem Zwischenfall 1973 fristlos entlassen worden waren,
und wo auch Haggards Witwe lebte - die alte verwirrte Frau namens
Wilma.
Dort hörten sie einen Augenzeugenbericht. Wie die unbekannten
Flugobjekte die Überschalljets verfolgten, einholten und sie
schließlich wie ein Karussell umkreisten, bevor die Maschinen
abstürzten. Dann verschwanden die fremden Objekte von einer
Sekunde zur nächsten. Eine Stunde später erschien der junge
McKay und beschlagnahmte alle Aufzeichnungen. Alles wäre
vertuscht worden, wenn Walsh nicht einem Pressefritzen gegenüber
den Mund aufgemacht hätte. Kurz darauf wurde er wegen
Drogenbesitzes unehrenhaft entlassen.
Anderen erging es schlimmer. Es gab sogar einige Todesfälle, die
aber alle als Unfälle oder Selbstmorde in die Akten gingen. Als
Walsh seine Erzählungen kurz unterbrach, um auf Toilette zu
gehen, wurde er dort erschossen, ohne daß die beiden irgend
etwas davon mitbekamen. Sie fanden den Toten erst 20 Minuten
später. Unter dem Namen McKay, NSA, rief Cliff die Polizei,
meldete telefonisch den Mord und bat um psychologische Betreuung
für Wilma. Dann verschwanden sie.
Eine genaue Untersuchung ihres Wagens erbrachte dann den Peilsender,
mit dessen Hilfe McKay immer über ihren Aufenthaltsort Bescheid
wußte. Eine Gefahr, die man kannte, war schon halb gebannt.
Deshalb entfernte Cliff die Wanze und brachte sie an einer Harley
Davidson einer Motorrad-Gang an. Dann fuhren sie nach Süden.
McKay folgte der Wanze noch einige Stunden lang, bevor er bemerkte,
daß man ihn gelinkt hatte.
Drei Tage später verspürte Judy plötzlich heftige
Unterleibsschmerzen. Sie fand eine kleine, kreisrunde und scheinbar
seit Jahren verheilte Narbe. Doch sie hatte eine solche vor einer
Woche noch nicht gehabt. Noch schlimmer aber: Es war die gleiche Art
Narbe, wie auch Wilma eine hatte. Diese hatte sie nach eigenen
Angaben von den Unbekannten im Black Forest.
Irgendwann meldete sich auch Buzz wieder und gab das Paßwort
für die geheimnisvolle Diskette preis. Als Cliff die Datei
endlich geladen hatte, wurde er jedoch enttäuscht. Statt der
erwarteten weiteren Berichte und geheimen Dossiers fand sich nur der
Name JAMES VICTOR CAMPBELL sowie eine Telefonnummer. Der Mann war ein
bekannter Senator und Vertrauter Präsident Clintons. Buzz hatte
ihnen ihr neues Ziel mitgeteilt.
3) "Der
Tunnel" von Uwe Voehl
Über die Telefonnummer, die Buzz ihnen überlassen hatte,
gelang es Judy, ein Treffen mit dem Senator zu arrangieren. Warum es
aber ausgerechnet irgendwo im Niemandsland von Maine stattfinden
sollte, wußte sie nicht zu sagen. Schließlich trafen sie
den Senator in einer bestens abgesicherten Blockhütte. Zu ihrer
Überraschung begann dieser das Gespräch mit der
Übergabe von Ausweisen, die Judy und Cliff zu Bundes-Marshals
machte - mit allen Rechten und Befugnissen. Da diese rückwirkend
gültig waren, hatte die NSA wegen der manipulierten Vergehen,
die zu ihrer Kündigung geführt hatten, auch keine Handhabe
mehr gegen die beiden.
Danach überreichte er ihnen eine CD-ROM mit dem gesamten Projekt
Ghost Rider. Der Senator erwartete von den beiden, daß sie wie
bisher versuchen sollten, soviel wie möglich über die
Gegner herauszufinden, auch über die in der NSA. Außerdem
sollten sie allen Berichten über UFOs und Außerirdische
nachgehen - denen in den Akten sowie in aktuellen Fällen. Nicht
zuletzt sollten sie sich ganz allgemein mit Grenzphänomenen
befassen, da die NSA offenbar gezielt PSI-begabte Menschen
aufzufangen oder zu diskreditieren versuchte.
Darüber hinaus stattete man sie mit abhörsicheren Handys
und verschiedenen Kreditkarten aus, um ihnen Unabhängigkeit zu
ermöglichen. Senator Campbell schloß die Möglichkeit
nicht aus, daß hier eine Verbindung zu außerirdischen
Mächten bestand. Deshalb hatte man sie lange geprüft und
auch nach Uncton geschickt. Das Justizministerium hatte lange auf
Menschen wie sie gewartet.
Dann mußte der Senator gehen. Sein Hubschrauber brachte ihn
fort; die Blockhütte wurde niedergebrannt. Er wies die beiden
noch an, dem Fall "Unterwelt" auf der CD nachzugehen, und informierte
sie darüber, daß die NSA ihre Spur noch nicht verloren
hatte - dann war er weg. Judy und Cliff taten es ihm gleich.
Der Fall "Unterwelt" befaßte sich mit den Kanälen und
U-Bahn-Tunneln unter New York, zeigte abgetakelte Gestalten, viele
Graffitis und schließlich ein Baby. Ein besonderes Baby: Es war
blind und zweigeschlechtlich - ein Hermaphrodit. Solchen Wesen sagte
man seherische Fähigkeiten nach. Der griechischen Mythologie
nach entstammten sie der Verbindung von Hermes und Aphrodite, kamen
also aus dem Himmel - oder anders ausgedrückt: Besucher aus dem
All.
Die ebenfalls angegebene Telefonnummer führte sie zum
Anrufbeantworter einer Catherine Walker. Laut Telefonbuch von New
York gab es 57 Catherine Walkers. Aber nur eine war Fotografin. Von
der Hauswirtin erfuhren sie, daß Catherine nun seit drei Wochen
verschwunden war. Ihre Ausweise verschafften den beiden rasch Zutritt
zu Catherines Atelier.
Hier fanden sie weitere Fotos aus dem Obdachlosenmilieu und waren nun
sicher, am richtigen Ort zu sein. Offenbar hatte Catherine
öfters mehrere Tage bei den Obdachlosen verbracht; das
erklärte auch die Intensität ihrer Fotos. Aus ihrem
Tagebuch entnahmen die beiden, daß Catherine einer Spur folgen
wollte, die zu unglaublich war, um sie in Worte zu fassen.
Es gestaltete sich aber schwieriger als erwartet, in das Tunnelsystem
einzudringen. Von den Obdachlosen erhielten sie keinerlei
Unterstützung, sondern trafen nur auf Ablehnung. Gleiches galt
für die verschiedenen Hilfsorganisationen, die die Existenz
einer Stadt unter der Stadt schlichtweg abstritten. Also blieb nur
Catherines Lösung - Mimikry. Sie verwandelten sich im Lauf
mehrerer Tage selbst in homeless people.
Es dauerte ein wenig, bis Cliff endlich den Zugang in die Unterwelt
entdeckte. Er rettete einen Junkie, und dieser führte ihn
hinunter in sein Versteck. Als Cliff dort Stunden später wieder
erwachte, war er allein, und es führte auch kein Weg mehr nach
oben. Es ging nur weiter in die Tiefe, und von dort erreichte ihn
auch ein seltsames Rufen. Oder eher ein lauter Gedanke.
So erreichte er den Hermaphroditen. Dieser schwebte rund 20 cm
über dem Boden und bewegte sich langsam auf Cliff zu.
Plötzlich überfiel Cliff eine große Angst, und er
rannte davon. Doch bevor er den rettenden Ausgang erreichte, wurde er
von dem Junkie geweckt. Er hatte alles nur geträumt - oder?
Cliff entschloß sich, Judy zur Unterstützung zu holen. Als
er zurückkam, war sein Tunnelpartner von gestern jedoch bereits
tot - ermordet. Da sie hier nichts weiter tun konnten, stiegen sie
wie geplant in die Tiefe. Mit Kreide markierten sie ihren Weg in
diesem dreidimensionalen Labyrinth. Bald hatten sie sich dennoch
verirrt, denn irgendwer hatte ihre Markierungen wieder entfernt.
Nach stundenlangem Umherirren und schier Hunderten von teils
grauenvollen Graffitis trafen sie auf einen Tunnelmenschen namens
Clapton, der sich ihrer nach einer "Sicherheitsüberprüfung"
auch annahm. Clapton war auf eine ganz besondere Art hier nach unten
gelangt. Früher war er Musiker gewesen und hatte mit dem
Graffiti-Künstler Steinway zusammengearbeitet.
An dem besonderen Abend war Clapton mit einer Droge vollgepumpt
gewesen und hatte am Strand ein Konzert zu geben. Zusammen mit
Steinway und seiner Freundin Naomi wurde es ein voller Erfolg, und
sie spielten immer mehr und immer länger. Dabei spornte Steinway
Clapton zu immer größeren Leistungen an, denn Steinway war
telepathisch sehr begabt. Auch Clapton hatte diese Gabe, wenn auch in
schwächerem Maß. Deshalb spürte er, wie sie dabei
waren, etwas anzulocken. Es war, als hätten sie eine Tür
einen Spaltbreit geöffnet und wären nun nicht mehr in der
Lage, sie zu schließen. Clapton hörte von einem Moment zum
anderen auf zu spielen, doch er befürchtete, daß es
bereits zu spät war.
Seit dieser Nacht waren die beiden Männer auf der Flucht. Erst
hier unten hatten sie ihren Frieden wiedergefunden. Steinway hatte
hier seine Graffitis gemalt, war aber nach einigen Jahren an einer
Lungenentzündung gestorben. Clapton lebte bereits seit mehr als
zehn Jahren hier. Dennoch hatte er sein Lager mit vielen Fallen
umgeben - man konnte ja nie wissen.
In den letzten Monaten war die Sterberate, die schon immer hoch
gewesen war, rapide angestiegen. Die Todesursache war zumeist Mord
gewesen. Als Cliff von dem Hermaphroditen erzählte, gestand
Clapton, daß er ihn kannte. Es war Naomis Kind. Sie war vor
einigen Monaten in die Tunnel gekommen, weil jemand hinter ihrem Kind
her war. Als das Töten begann, flüchtete sie noch weiter in
die Tiefe. Nicht einmal Clapton wußte, wo sie jetzt war.
Sie ruhten sich noch einige Stunden lang aus, dann machten sich alle
drei in die Tiefe auf. Je tiefer sie kamen, desto mehr nahm Clapton
ein Pochen in seinem Kopf wahr, das dem auf der Konzertbühne
ähnelte. Irgendwann wurde es ihm zuviel, und Judy und Cliff
mußten allein weitergehen - wie sie den Weg zurück nach
oben wiederfinden sollten, war ihnen noch nicht klar.
Sie irrten lange weiter durch das Labyrinth. Dabei bemerkten sie,
daß sie verfolgt wurden, doch der Verfolger zeigte sich nie.
Irgendwann stießen sie dann auf die Leiche von Catherine
Walker. Ihr war der Kopf so lange nach hinten gedreht worden, bis ihr
Genick gebrochen war. Wenig später entdeckten sie die
völlig verwirrte Naomi. Als diese ihnen das Versteck des Babys
zeigte, wurde sie plötzlich erschossen.
Clapton war der geheimnisvolle Mörder gewesen und hatte nun auch
die junge Frau auf dem Gewissen. Bevor er weiteren Schaden anrichten
konnte, verwundete Cliff ihn mit seiner Pistole und vertrieb den
Irren. Dann schnappten sie sich das Kind und folgten den Blutspuren,
die sie nach oben führten. Schließlich fanden sie den
Killer tot in seinem Lager, den Synthesizer fest umklammert. Die
Verwundung war zu schwer gewesen.
Eine halbe Stunde später waren die drei wieder an der frischen
Luft. Da sie das Kind nicht allein beschützen konnten, riefen
sie Senator Campbell an, der sich um alles weitere kümmerte. Er
versprach, daß das Kind nicht in einem Labor enden, sondern zu
Adoptiveltern gegeben würde. Judy und Cliff hatten keine andere
Wahl, als ihm zu vertrauen.
4) "Lichter
des Todes" von Arndt Ellmer
Diesmal wurden Judy und Cliff von Senator Campbell in die Painted
Desert nach Arizona geschickt. Hier war es seit Monaten zu
merkwürdigen Lichterscheinungen gekommen. Vier Männer
wurden vermißt, und ein nagelneuer Hubschrauber war ebenfalls
verschwunden. Genau dort befand sich auch ein altes Heiligtum der
Anasazi-Indianer, die im 13. Jhd. urplötzlich und spurlos
verschwunden waren.
Die vier vermißten Männer waren auf Schatzsuche gewesen.
Sie hatten in einer alten Karte Hinweise auf einen Schatz der Anasazi
gefunden und waren zu Pferd unterwegs gewesen, um diesen zu suchen.
Dabei hatten sie es nicht nur mit Hitze und Durst, sondern auch mit
Sandstürmen und Treibsand zu tun bekommen. Als sie
schließlich den Eingang in ein verborgenes Tal entdeckten,
gingen ihnen die Pferde durch. Mit diesen verloren sie alle Waffen,
das Wasser und sämtliche Vorräte.
Inzwischen war ein Bote von Campbell bei den beiden US-Marshals
eingetroffen - es war Ruth Sekada. Sie als Sioux sah sich als
unmittelbare Nachfahrin der Anasazi. Sie berichtete, daß die
Geister der Toten wütend waren und die vier Männer, ganz
offensichtlich Grabräuber, bestrafen würden. Dann
übergab sie den beiden eine Karte der Gegend, in der das Grabmal
eingezeichnet war, sowie zwei Wurzeln, die sie tagelang besprochen
hatte und die Judy und Cliff vor den Geistern schützen
sollten.
Wilbur Mansfield, einer von den vieren, marschierte schnurstracks in
den Canyon hinein. Ehe die anderen es bemerkten, war er verschwunden.
Sie fanden ihn jedoch bald wieder, scheinbar übergeschnappt. Er
tollte durch ein kleines Tal und schrie immer wieder 'GOLD, GOLD!'
Dabei wälzte er sich im Schlamm und war überglücklich.
Das Tal war auch in der Schatzkarte eingezeichnet, doch die Felsen
waren hier anders dargestellt.
Auf der anderen Seite war eine undeutliche Lichtquelle zu erkennen.
Plötzlich rannte Wilbur auf diese zu und wurde förmlich
pulverisiert. Dann bewegte sich das Licht, das etwa einem leuchtenden
Fußball glich, auf die anderen zu. Bald hatte es zwei von ihnen
erreicht. Auch sie dörrten aus und mumifizierten
schließlich, wie Wilbur, nur viel langsamer, und sie zerfielen
nicht zu Staub. Einzig John Ferguson gelang die Flucht. Dabei verlor
er völlig den Verstand und rannte immer weiter in die Wüste
hinein.
Cliff war es gelungen, einen alten Hubschrauber zu chartern, dessen
noch älterer Pilot Dex sie mitsamt ihrer Ausrüstung und
ihres Motorrads in die Painted Desert fliegen würde. Dex
wußte von Spukerscheinungen, hellen Lichtern und verschwundenen
Menschen zu berichten, was sich alles in genau dieser Gegend
abgespielt haben sollte. Er setzte sie in dem respektablen Abstand
von einigen Kilometern zum Eingang in den Little Canyon ab. Damit
hatten sie etwa eine halbe Stunde Vorsprung vor dem Suchtrupp der
Polizei, der sich auf dem Langweg ebenfalls hierher aufgemacht
hatte.
Am Eingang der Schlucht machten sie ein paar wichtige Entdeckungen.
Zunächst einmal waren hier die Felsen nur leicht verschwommen zu
erkennen. Außerdem fühlten sie einen leichten Druck im
Kopf. Schließlich führten die Fußspuren der
vermißten Männer direkt in die Schlucht hinein. Judy und
Cliff entschlossen sich, dem Beispiel der Männer nicht zu
folgen. Sie verbargen ihre Maschine, beseitigten ihre Spuren und
machten sich dann daran, über eine Flanke des Berges zu
klettern.
Auch oben auf dem Berg schien es eine geheimnisvolle Barriere zu
geben, denn ab einem genau zu bestimmenden Punkt trat entsetzliche
Übelkeit auf, die die beiden Abenteurer zurücktrieb. Doch
als sie sich die seltsamen Wurzeln Ruths umhängten, wurde die
Übelkeit nach wenigen Minuten erträglich.
Auch die Suchmannschaft der Polizei erreichte schließlich den
Eingang des Canyons. Ein recht überheblicher Mann von einer
Regierungsbehörde, ein gewisser McClure, hatte die Befehlsgewalt
übertragen bekommen und suchte mit einem Teil der Männer
die Umgebung ab, während andere in den Canyon eindrangen.
McClure hatte sich bald von den anderen getrennt und
überraschend schnell den Berg erklommen. Er führte einen
Koffer mit, und selbst das Überqueren der unsichtbaren Linie und
die entsetzliche Übelkeit stoppten ihn nur kurz. Dann packte er
ein Meßgerät aus, das viel heftiger ausschlug als
erwartet. Das Potential war viel höher, als er oder seine
Auftraggeber es jemals geahnt hatten. Dann zog er sich an den
höchsten Gipfel zurück und wartete auf den Augenblick, da
seine Sinne eine Entdeckung von weitreichender Bedeutung machen
würden.
Die anderen Polizisten hatten im Canyon inzwischen zwei Mumien
entdeckt. Als sie diese bergen wollten, erschien wieder das Licht und
tötete sie alle. Doch es war kein normaler Tod, denn die
Männer konnten ihre sterbenden Körper unter sich sehen.
Irgendetwas, das nicht Gott war, hatte sie geholt. Oben auf dem Berg
hatten Judy und Cliff alles auf Video aufgezeichnet.
Auch McClure hatte das Phänomen sowie den Tod der Männer
beobachtet, auch, daß Cliff alles aufgenommen hatte. Die
Videokamera würde er sicherstellen müssen, ebenso wie die
Mumien, die wertvolle Studienobjekte für seine Dienststelle
abgeben würden. Gerade als er sich entschlossen hatte, sich um
die beiden anderen zu kümmern, erscholl plötzlich ein
tiefer Ton, und der ganze Berg begann zu vibrieren. Felsen
splitterten und stürzten herab. Eine Wasserkaskade brach aus dem
Stein und stürzte in die Tiefe. Zugleich kam Wind auf, der zum
Sturm anwuchs und gleich einem heißen Gebläse Sand aus der
Schlucht herauswirbelte. Die Übelkeit und auch das Licht kehrten
zurück.
Dann explodierte irgend etwas und trieb Judy und Cliff von der
Schlucht weg. Ein leuchtender Ball schoß in den Himmel - wie
ein Komet in umgekehrter Richtung. Die Luft wurde elektrostatisch
aufgeladen, und das letzte, was Judy noch wahrnahm, bevor sie und
Cliff bewußtlos wurden, war ein sengender Schmerz an der
Stelle, wo sie seit wenigen Wochen eine seltsame Narbe am Bauch
trug.
Stunden später erwachten sie wieder. Der Canyon war
verschüttet, das Licht verschwunden, die Mumien, die so
ausgesehen hatten wie der Air Force-Pilot in Uncton, nicht mehr
aufzufinden - und der Videofilm war von der statischen Entladung
völlig gelöscht. Kaum hatten sie den Hubschrauber gerufen,
um sie abzuholen, wurden sie vom Berg her beschossen. Ihnen gelang
gerade mal so die Flucht mit dem Motorrad. Kurz darauf entdeckten sie
Fußspuren und fanden den letzten Vermißten der gesuchten
vier Männer.
McClure holte sie schließlich doch noch ein. Er nahm ihnen den
Film ab und tischte eine Erklärung auf - Kriminelle, die
Sprengstoff gestohlen hätten. Alles weitere war eine Frage der
nationalen Sicherheit. Er forderte sie noch auf, den Vermißten
in ein bestimmtes Krankenhaus zu bringen. Dann verschwand er, als er
den Hubschrauber hörte. Dex brachte sie zurück und
erklärte feierlich, daß er gestern Nacht die Geister der
Toten gesehen hätte - als Lichtkugeln über der Painted
Desert.
5) "Gejagt!"
von Timothy Stahl
Marisa Truman war ein 18jähriges Mädchen, das nach
verschiedenen Klinikaufenthalten nun in der Druid Hill-Klinik
angelangt war. Im Alter von fünf Jahren war sie über Nacht
völlig apathisch geworden. Sie konnte nichts mehr aus eigenem
Antrieb tun, nicht reden, sich nicht bewegen, nicht einmal mehr
essen. Seit damals hatte sie auch keine wirklichen Lebenszeichen mehr
von sich gegeben. Nun war sie hier angelangt - in der Spezialklinik,
in die man nur kommt, wenn einem sonst nirgendwo auf den Welt mehr
geholfen werden kann.
Das alles änderte sich urplötzlich. Ein Pfleger, der sich
in einer Nacht an dem wehrlosen Mädchen verging, durchbrach
damit den Mantel des Unbewußten, und Marisa erwachte. Der
Schmerz, der ihr zugefügt wurde, ähnelte dem von vor 13
Jahren. Nun jedoch schlug sie zurück. Es dauerte nur Sekunden,
bis der Mann in Flammen stand, sein gesamtes Körperfett sich
entzündete und Ascheflocken von seinem Körper trieben. Dann
rannte Marisa davon, in eine Welt, die seit 13 Jahren nicht mehr die
ihre war. Was an Brennbarem ihren Weg markierte, ging in ihrer
bloßen Gegenwart fast explosionsartig in Flammen auf.
Als sie von der elektrischen Leitung, die den Zaun um die Klinik
herum zusätzlich schützte, einen kräftigen Schlag
einstecken mußte, wurde sie zum ersten Mal richtig wütend.
Allein diese Wut reichte aus, um den Zaun zum Schmelzen zu bringen.
Als glühendes Metall ihre nackte Haut streifte, spürte sie
das nicht einmal. So lief sie weiter, ihrem unsichtbaren Kompaß
folgend, den nur sie selbst verstand.
Judy und Cliff hatten inzwischen große Teile der CD über
das Projekt Ghost Rider durchgearbeitet und wahrlich erschreckende
Dinge erfahren. Sie beide waren auserkoren worden, diesen Dingen
nachzugehen. Mitten in der Nacht wurden sie von Campbell mit ihrem
nächsten Fall beauftragt. Es ging um Pyrokinese in einer Klinik.
Die Zeit drängte, denn McKay hatte sich bereits persönlich
eingeschaltet.
Marisa war inzwischen vor einen Truck gerannt und von dem Fahrer
mitgenommen worden. Als McKays Leute sie jedoch mit Gewalt mitnehmen
wollten, brach ihre neue Macht wieder hervor, und der gesamte Truck
explodierte.
Cliff und Judy entschlossen sich, auf getrennten Wegen zu Marisas
Heimatstadt Gum Spring zu fahren, um dort mit den Ermittlungen zu
beginnen. Cliff wollte zuvor noch mit dem Motorrad einen Abstecher
zur Klinik machen. Dabei traf er auf den zerstörten Truck. Als
er dann Marisas behandelnden Arzt Dr. Nordheim traf, einiges von ihm
erfuhr und ihn nicht davon abhalten konnte, auch selbst nach dem
vermißten Mädchen zu suchen, machten sich die beiden
zusammen auf den Weg nach Gum Spring.
Judy hatte dort inzwischen erfahren, daß vor ihr am gleichen
Tag schon jemand anders nach der Adresse von Marisa gefragt hatte.
Die Männer der NSA waren schon dagewesen und hatten Marisas
Mutter Gillian entführt. Nur ihr Vater Homer war noch da.
Gillian sollte ihre Geisel bleiben, um sie gegen Marisa
einzutauschen. Als Judy draußen eine Bewegung sah und dem Mann
folgte, gab dieser sich als Ambrose Chapel zu erkennen. Er hatte eine
wirklich erstaunliche Geschichte zu erzählen. Als sie danach zu
Homer zurückkehrte, wurde sie von einem von McKays Männern
bereits erwartet.
Cliff und der Doktor hatten Marisa inzwischen gefunden. Ein Sheriff
hatte sie aufgegabelt und wollte sie dazu bringen, zu erzählen,
was vorgefallen war. Cliff kam gerade ins Büro, als Marisa
dieser "Bedrohung" entgegenwirkte und ihre Macht entfachte. Ein Sturm
tobte in dem Büro, konnte aber die unglaubliche Hitze nicht
vertreiben. Als Cliff aus seiner Ohnmacht erwachte, war ein Deputy
tot, Dr. Nordheim und Marisa verschwunden. Cliff informierte Campbell
und machte sich an die Verfolgung, denn er wußte, daß
Marisa die Richtung bestimmte und Nordheim ihrem hypnotischen Willen
nicht gewachsen war.
Als Marisa ihr Zuhause erreichte, gelang es Judy und Homer, den
NSA-Mann zu überwältigen. Doch Marisa ging nicht zu ihrem
Elternhaus, sondern zum Haus gegenüber - zu Ambrose Chapel. Sie
war nicht hier, um ihre Eltern zu treffen - sondern um Rache zu
üben.
Als der zweite NSA-Mann in diesem Augenblick mit Gillian auftauchte
und Marisa anrief, ging Ambroses Haus in Flammen auf. Als der Mann
auf Marisa feuerte, sprang Cliff ihn von hinten an. Ein
Zufallstreffer ließ den Killer ohnmächtig zu Boden gehen,
doch da ertönte ein weiterer Schuß. Der Sheriff hatte auf
Marisa gefeuert und getroffen, um seinen Sohn, den toten Deputy, zu
rächen.
Die Erde erbebte, als Marisa starb. Ähnlich einem Weltuntergang
entluden sich die Kräfte des Mädchens. Wie bei einem
riesigen Erdbeben schüttelte sich der Boden, Fenster gingen zu
Bruch, und alle suchten Deckung. Dann war es schließlich
vorbei.
Judy berichte Cliff von Ambroses Geschichte. Er war ein Späher
für Außerirdische gewesen, jemand, der ihnen
Forschungsobjekte aussuchte und zuführte. Diese impften dann
ihre Opfer mit genmanipulierten Viren, um deren Körper auf ein
bestimmtes psychisches Niveau zu bringen. Doch die Behandlung sprach
offensichtlich nicht bei allen Patienten an. Zumindest nicht sofort,
wie Marisa bewies.
6) "Das
Dorf der Frauen" von Uwe Voehl
In einer typisch amerikanischen Stadt, Windcastle in Wisconsin, gab
es ein seltsames Phänomen. Dort lag der Anteil an Frauen mit
über 90% deutlich höher als der Männeranteil. Dazu
kam, daß in den letzten zehn Jahren kein Junge mehr geboren
worden war. Die offizielle Einwohnerstatistik wurde offensichtlich
gefälscht, so daß es fast keinem auffiel. Da es sich
möglicherweise um Genmanipulationen handelte, um einen modernen
Frauenkult zu fördern, fiel dies spätestens mit dem
Verschwinden eines frisch verheirateten Pärchens in der Stadt
ins Aufgabengebiet unserer beiden US-Marshals. Ebenso wie die
Tatsche, daß der Vater der vermißten Frau ein Senator
war.
Aufgrund ihrer Geschlechter reisten die beiden unabhängig
voneinander in die Stadt ein. Als Cliff in Windcastle ankam, geriet
er bald an den dortigen Sheriff, eine Frau, die ihn sofort der Stadt
verwies. Cliff weigerte sich, geriet in ein Handgemenge und wurde
k.o. geschlagen. Als er wieder erwachte, schien die Stimmung
umgeschlagen zu sein, und er wurde mit tausend Entschuldigungen dazu
eingeladen, einige Tage im Ort zu verbringen. Doch Cliff hatte den
Eindruck, daß alle in der Stadt - offenbar tatsächlich
ausnehmend Frauen und weder Männer noch Kinder - ihn zu
beobachten schienen.
Er verließ den Ort, um seinen Campingwagen zu verstecken, und
stieß dabei zufällig auf eine frühzeitliche
Kultstätte. Ein gut geöltes Tor vor einer verschlossenen
Grotte widerlegte die Vermutung, einen von keiner Menschenseele
besuchten Ort entdeckt zu haben. Nicht allzuweit entfernt fand er
eine freiliegende Plattform, die ihm einen herrlichen Blick auf das
Tal und die Ortschaft vermittelte. Cliff fiel auf, daß das
Zentrum des Ortes, die Plattform und die Kultstätte offenbar die
Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks bildeten. An einen Zufall
wollte er nicht glauben.
Bald entdeckte er eine vermummte Gestalt. Diese ging auf die Grotte
zu und betrat sie. Als Cliff ihr kurz darauf folgte, war die Gestalt
verschwunden, obwohl die Grotte keinen weiteren Ausgang hatte. Bis
auf ein Loch in der Decke - in über 3m Höhe. Als er auf
seinem Motorrad wieder nach Windcastle zurückkehrte, sah er zum
ersten Mal auch Kinder - sowie uralte Männer, die ihn
offensichtlich mieden und alle niedere Arbeit zu verrichten hatten.
Es gelang ihm, einem kleinen Mädchen zu entlocken, daß die
beiden Gesuchten tatsächlich in der Stadt gewesen waren und
diese wohl auch noch nicht verlassen hatten. Dann wurden sie
gestört.
Auch Judy war inzwischen eingetroffen und hatte alsbald eine
Einladung zu einem Treffen mit den Stadthonoratioren im Rathaus.
Dabei stellte sie fest (ebenso wie Cliff zuvor), daß sie
heftige Kopfschmerzen bekam, je näher sie sich dem zentral
gelegenen Stadtbrunnen näherte. Unter den mächtigen Frauen
der Stadt fühlte sich Judy, die vorgab, an Mythen in Wisconsin
interessiert zu sein, sogleich unglaublich wohl. Der Abend verging
wie im Flug.
Doch am Morgen erwartete Judy eine böse Überraschung, denn
eine Bombe war in ihrem Zimmer deponiert worden, und hätte
Ellen, die Bürgermeisterin, sie nicht im letzten Moment gewarnt,
hätte Judy die Explosion nicht überlebt. Von einer
angeblichen Beruhigungsspritze gelähmt, wurde sie von Ellen
hypnotisiert. Dann verdächtigte Judy Cliff Conroy, die Bombe
gelegt zu haben. Schließlich wußte ja sonst fast niemand
von ihrer Anwesenheit in der Stadt.
Cliff hatte inzwischen seinen Kontaktmann Queen aufgestöbert,
der als Dorftrottel in der Stadt lebte und deshalb ungeschoren
geblieben war. Von ihm erfuhr Cliff die Hintergründe. Vor 15
Jahren schien tatsächlich ein Ufo gelandet zu sein - die
verbrannte Stelle hatte Cliff selbst schon entdeckt. Die Gegend war
für Lichterscheinungen bekannt gewesen, doch damals tauchte
plötzlich auch Ellen Stark auf, die derzeitige
Bürgermeisterin. Sie begründete einen Frauenkult mit
Fruchtbarkeitsriten, Seancen usw. Seit damals wurde Männern mit
immer mehr Abneigung begegnet. Viele zogen fort, einige verschwanden
einfach. Seither hatte kein Junge mehr das Licht der Welt
erblickt.
All das ging von Ellen Stark aus, die irgendwie die Gedanken von
allen kontrollierte. Sie hatte es geschafft, in Windcastle eine
Brutstätte für Hellseherei und andere PSI-Phänomene zu
schaffen. Männer waren hierfür ungeeignet und wurden
deshalb unterdrückt.
Plötzlich wurden sie vom Sheriff überrascht, die Cliff
umbringen wollte. Sie schien immun gegen Kugeln zu sein - wie der
Typ, den Judy bei der NSA erschossen hatte. Erst ein Treffer in die
Stirn beendete den Spuk. Noch bevor sich Cliff auf die Suche nach
seiner Partnerin machen konnte, rief Senator Campbell an und befahl
das sofortige Ende der Aktion. Der Vater der verschwundenen Frau
hatte eine Militär-Division aktiviert, um in der Stadt
einzufallen. Sein Schwiegersohn war erstochen aufgefunden worden, und
daraufhin hatte sich der Senator Geheimdienstinformationen beschafft
und sich einiges zusammengereimt. Die Soldaten sollten alle Bewohner
zusammentreiben und jedes Haus durchsuchen.
Unter Zeitdruck rannten Cliff und Queen zum Rathaus. Im
Obergeschoß entdeckten sie einen riesigen Raum, in dem sich
über einem großen Replikat des zentral gelegenen Brunnens
eine Glaskugel befand. Verbunden waren die beiden Artefakte durch
eine Art Schwert aus Licht. Außerdem sahen sie dort neben einer
apathisch wirkenden Judy noch vier weitere Frauen. Kaum hatten sie
den Raum betreten, wurden sie von gewaltigen Kopfschmerzen
attackiert.
Es war Ellen, die Judy aufforderte, ihren Partner für den Mord
am Sheriff zu erschießen. Nur Cliffs rascher Hechtsprung
rettete ihn vor der Kugel. Da er nicht auf seine Partnerin
schießen wollte, wählte er die Glaskugel als neues Ziel
und zerschoß diese. Der Lichtstrahl hatte keine plötzlich
keinen Endpunkt mehr und bohrte sich in den Beton der Decke. Bald
schon stand der Dachstuhl in Flammen, und Cliff floh zusammen mit
seiner immer noch apathischen Partnerin. Die Frauen der Stadt liefen
ziellos und völlig verwirrt auf den Straßen umher, und
schließlich explodierte auch noch der zentrale Brunnen.
Der Spuk ging noch tagelang weiter. Die meisten Frauen aus Windcastle
mußten in psychiatrische Behandlung. Sie konnten sich an nichts
mehr erinnern, nicht einmal mehr daran, wie man seine elementaren
Bedürfnisse deckt. Das galt auch für vermißte Tochter
des Senators, die man im Wald gefunden hatte. Judy vermutete,
daß Ellen ihre hypnotische Kontrolle auf jede einzelne Frau so
lange verstärkt hatte, bis diese ihre Freunde oder
Ehemänner einfach ermordeten. Nur wenige konnten ihrem Willen
widerstehen, wie z.B. Henry Queen. Ellen Stark selbst wurde nicht
gefunden.
7) "Der
Endeavour-Zwischenfall" von K.U. Burgdorf
Die Mission des Space Shuttle ENDEAVOUR verlief planmäßig
- sieht man von der einen Stunde ab, in welcher der Funkkontakt zur
Bodenstation abgerissen war, sowie von den seltsamen Kopfschmerzen,
die erst im Lauf mehrerer Tage nachließen und auf ein neues
Medikament für die Schwerelosigkeit zurückzuführen
waren. Das dachten zumindest alle, bis der Astronaut James Woodward
auf dem Heimweg nach der mehrwöchigen Quarantäne
plötzlich die Gedanken anderer wahrzunehmen begann. Das
kündigte sich mit kurzen, aber unglaublich heftigen
Kopfschmerzen an und endete genauso rasch wieder, wie es begonnen
hatte.
Judy und Cliff hatten den Auftrag erhalten, sich wegen der
Endeavour-Mission mit dem Astronauten Woodward zu treffen. Die
Vorfälle mit dem Space Shuttle ähnelten verblüffend
denen in der Ghost Rider-Akte namens Good Hope, wo ein
Küstenwachboot 1943 für eine Stunde den Funkkontakt
verloren hatte und die sieben Besatzungsmitglieder in den kommenden
Wochen immer stärkere Kopfschmerzen erlitten. Schon wenige Jahre
später waren die Männer entweder durch Selbstmord
umgekommen oder in einer Irrenanstalt gelandet. Einer von ihnen
sprach immer wieder davon, sie wären Opfer einer Entführung
durch UFOs geworden.
Deshalb waren Judy und Cliff nun nach einem halben Jahr erstmals
wieder in Houston. In Woodwards Haus fanden sie jedoch die gerade
erschlagene Ehefrau des Astronauten vor. Wie sich bald herausstellte,
hatte James in den Gedanken seiner Frau erkannt, daß sie ihn
betrogen hatte, und er konnte in seinem Zustand den Gewaltausbruch
nicht verhindern.
Da Woodward entwischt war, sprachen die beiden Marshals mit den
anderen Astronauten. Nachdem sie dort die Hintergründe ihrer
Untersuchung offengelegt hatten, wurde bald deutlich, daß die
fünf Männer sich tatsächlich verändert hatten. Es
war zwar keine Telepathie, aber so etwas wie paranormale Intuition,
die ihnen allen dabei half, eine Situation genau richtig
einzuschätzen. Vielleicht hatte es doch einen Ghost
Rider-Kontakt gegeben, und die Erinnerungen daran waren gelöscht
worden. Jedenfalls gab die neu gewonnene Intuition ihnen allen das
sichere Gefühl, daß ihr Kommandant James Woodward sich zur
Zeit nur bei Jane befinden konnte - einer Frau aus dem Team, die sich
nach den Missionen immer in eine einsame Hütte in Texas
zurückzog.
Mit Janes Zustimmung durchforstete Woodward bei seinem nächsten
Anfall ihre Gedanken und fand tatsächlich verschüttete
Erinnerungen, die einen Kontakt zu einem Ghost Rider bewiesen. Doch
dann mußte James abbrechen, denn er empfing die Gedanken seiner
anderen Kollegen und zweier Polizisten, die ihn suchten.
Als sie sich gegenüberstanden, schoß James aus
nächster Nähe auf Tim Lattinger. Obwohl es eigentlich
unmöglich war, wich dieser geschmeidig aus. Auch den kommenden
Schüssen entging er wie durch Zauberei. Dabei verwandelte er
sein Gesicht in ein völlig fremdes und verschwand im Wald. Von
James erfuhren sie, daß er in Janes Gedanken Tim gesehen hatte,
wie er zusammen mit den anderen, aber ohne Raumhelm, aus dem UFO
gestiegen war. Tim konnte kein Mensch sein, und seine
übermenschlichen Reaktionen bestätigten dies auch.
Außerdem hatte James in seinen Gedanken eine Aura des
Bösen entdeckt und deshalb auch sofort geschossen - leider ohne
Erfolg.
Sofort machten sie sich an die Verfolgung. Als plötzlich ein
Hubschrauber auftauchte, geriet der Außerirdische offenbar in
Panik und stützte sich in die tiefe Klapperschlangenschlucht.
Trotz intensiver Suche - auch durch die NSA - wurde dort keine Leiche
entdeckt; nicht einmal Überreste einer solchen fand man. Jeremy
McKay nutzte die Gelegenheit, um den "Mörder" Woodward durch
fingierte Beweise zu entlasten und ihn so in seine Dienste zu
zwingen. Von Judy und Cliff erfuhr er nichts. Woodward wollte seine
Freunde nicht verraten, sondern bei McKay spionieren, mußte
aber feststellen, daß es diesem möglich war, seine
Gedanken durch einen einfachen Trick zu verschleiern - er dachte
einfach "im Hintergrund" immer wieder einen populären Song, und
Woodward konnte außer dem Text des Liedes nichts anderes in
Jeremys Gedanken wahrnehmen.
8) "Das
Lindwood-Experiment" von Carter Jackson
In einer Mall in Boston schoß der Soldat Carl Edward Allen
scheinbar blindwütig um sich. Er war in der Nacht aus einem
Labor geflohen und litt seitdem unter immer stärker werdenden
Kopfschmerzen. Sein Sinn für die Realität wurde immer
schwächer, und er wollte um jeden Preis verhindern, daß er
in das Labor zurückgebracht wurde. Die Hemmschwelle für
Gewalt war schließlich irgendwann überwunden, und er
setzte sich gegen seine eingebildeten Gegner mit der Pistole zu Wehr.
Bald schien sein Kopf vor Schmerz regelrecht zu bersten, und
schließlich wurde Allen von seinen Qualen erlöst - als er
urplötzlich in Flammen aufging. Der ganze Vorfall wurde von
einem anwesenden Fernsehteam live übertragen.
Deshalb wurden Cliff und Judy auf den Fall angesetzt. Sie fuhren als
erstes zum Chefpathologen, der den Leichnam untersucht hatte, und
erfuhren dort Erstaunliches. Der Tote mußte in der einen
Minute, in der er den Flammen ausgesetzt war, eine Hitze erlebt
haben, die mit keinen bekannten Prozeß zu erklären war.
Anhand der Knochenschrumpfung von 30% konnte man Temperaturen von
vielen hunderttausend Grad ableiten. Dies war auch die einzig
mögliche Erklärung dafür, daß die Knochen sich
in eine gummiartige Masse verwandelt hatten. Und schließlich
lag der Eisenanteil im Blut des Mannes um einen Faktor 10 höher,
als man bislang jemals beobachtet hatte.
Mangels eines anderen Anhaltspunktes nahmen sie die Liveaufnahmen und
ließen sie von einem Freund Cliffs, der ein Genie
bezüglich Foto- und Filmaufnahmen war, wissenschaftlich
analysieren. Die Detailbetrachtung ergab tatsächlich einen
Hinweis. Offenbar hatte ein weiterer Soldat versucht, seinem
brennenden Kameraden zu Hilfe zu eilen, war aber vom Wachpersonal der
Mall davon abgehalten worden. Eine Vergrößerung seiner
linken Brustseite ergab ein Namensschild mit der Aufschrift William
Machen.
Um die Nachforschungen nach diesem Mann der NSA soweit wie
möglich zu verheimlichen, und da der Name auch in keinem den
Marshals zugänglichen Computerverzeichnis verzeichnet war, gaben
sie der Reporterin Nancy Burgess - die auch schon die
Selbstverbrennung live gesendet hatte - einen Tip. Sie war heiß
auf die Story, denn McKay hatte ihr 'im Namen der nationalen
Sicherheit' nicht nur alle Aufnahmen weggenommen, sondern dem Sender
auch noch untersagt, die Bilder weiter zu veröffentlichen. Der
Burgess gelang es tatsächlich, Machen aufzuspüren. Von
diesem erfuhren sie eine schier unglaubliche Geschichte.
Machen war auf der Flucht vor seinen Verfolgern gewesen, die
verhindern wollten, daß etwas von dem Experiment an die
Öffentlichkeit geriet. Nur mühsam war es ihm gelungen, die
Killer abzuhängen. Alles hatte eigentlich 1943 begonnen, als die
US-Army im Rahmen des Philadelphia-Projekts versucht hatte, ein
Kriegsschiff unsichtbar zu machen. Es gelang teilweise, und das
Schiff verschwand für rund eine Minute - in dieser Zeit soll es
im 1.000 Meilen entfernten Port Newark gesehen worden sein. Als es
wieder sichtbar wurde, waren alle Mitglieder der Besatzung entweder
wahnsinnig geworden oder irgendwie mit dem Schiff verschmolzen.
Das Projekt wurde während des Vietnamkrieges wieder
aufgegriffen, und diesmal sollten keine Schiffe, sondern Soldaten
unsichtbar gemacht werden. Der Physiker und Biochemiker Lindwood
übernahm die Leitung. Da es um elektromagnetische Felder ging
und die Soldaten keinen entsprechenden Gegenpol bilden konnten,
endeten die Versuche fast ausnahmslos tödlich, und die Menschen
verbrannten. Trotz der immer größer werdenden Opferzahlen
ließ man Lindwood weiter forschen - seit fast 30 Jahren.
Inzwischen hatte Lindwood herausgefunden, daß eine deutliche
Steigerung des Eisengehalts im Blut helfen konnte. Doch irgendwann
ionisierten diese Teilchen plötzlich und erzeugten eine
unglaubliche Hitze - die Menschen verbrannten von innen heraus.
Vor kurzem hatten sich wieder 12 Elitesoldaten freiwillig zu einem
Experiment der Army zur Verfügung gestellt. Allen war der elfte
von ihnen gewesen, der bald gestorben war, und Machen hatte Angst,
die Nr. 12 zu werden. Vier von ihnen hatten sich bereits
frühzeitig selbst getötet - so sah es zumindest aus - den
Rest hatte das Feuer geholt. Kurz nachdem Machen Cliff und Judy den
Ort angegeben hatte, wo das als Institut für Meeresbiologie
getarnte Forschungslabor lag, reagierten auch seine Eisenionen, und
Machen verbrannte ebenfalls.
Indem sie die Reporterin als Ablenkung der Wachen vorschickten,
gelang es den beiden, in die Kellerräume des Labors
einzudringen. Dort fanden sie neben einigen belastenden Akten auch
die eigentlichen Forschungsräume, in den u.a. an toten Soldaten
mit Starkstrom experimentiert wurde. Es war schlimmer als in
Frankensteins Labor. Doch bevor sie weitere Untersuchungen
durchführen konnten, wurden sie entdeckt. Da man sofort das
Feuer auf sie eröffnete, blieb nur die Flucht, die wegen des
Aufruhrs, den die beiden verursacht hatten, auch der Burgess gelungen
war.
Da die Forschungsstation durch politische Eminenzen finanziert wurde,
war eine Anzeige bei der Polizei wohl wenig wirksam. Also
wählten die beiden Marshals den Weg über die Presse und
wollten die Sache über den Fernsehsender der Burgess publik
machen. Doch als sie nur etwa eine Stunde später wieder mit
einem großen Kamerateam dort auftauchten, war alles bereits
geräumt. Das ganze Labor, alle Akten und alle Personen waren
weg.
Die beiden hatten nichts mehr in den Händen - außer den
Aufzeichnungen des Gesprächs mit Machen, die nicht
gerichtsverwendbar waren, und ein paar Akten mit Gesundheitsdaten von
Soldaten, die sie aus dem Labor hatten mitgehen lassen, die sie aber
auch nicht weiterbrachten. Beides wurde ihnen kurz darauf unter
vorgehaltener Waffe von Männern McKays dann auch noch
abgenommen.
9)
"Gefangen in der Tiefe" von Arndt Ellmer
Eine Verkehrsmaschine hatte über dem Bermuda-Dreieck einen
totalen Systemausfall erlitten und notwassern müssen. Die
Vorgänge dabei waren derart erstaunlich, daß Judy und
Cliff bereits wenige Minuten nach der Wasserung mit der Untersuchung
beauftragt wurden. Sie mieteten sich ein Speedboot und waren auch
schon unterwegs. Aber nicht nur sie, sondern auch die Marine wurde
aktiviert. Da die Vorkommnisse mit einem Ghost Rider in Verbindung
gebracht wurden, waren auch zwei Zerstörer unterwegs. Doch auch
diese hatten in der Nähe der Unglücksstelle mit
großen technischen Störungen zu kämpfen. Zum
Glück waren die Dieselmotoren nicht betroffen.
Die Beobachtungen des Flugkapitäns waren fast noch unglaublicher
als die Vorgänge in der Elektronik. Sekunden nach der Wasserung
schien ein Kugelblitz aus dem Meer in den Himmel zu schießen.
In einem Gebiet von mehreren Kilometern Durchmessern kochte die See
und spie Dampfschwaden in den Himmel, und nicht zuletzt schien der
Meeresgrund zu glühen, als ob dort riesige Scheinwerfer
installiert worden waren. Die Gummiboote platzten beim Aussetzen, da
die Wassertemperatur zu hoch war. Es blieb den Menschen nur, auf
Rettung zu warten - und nicht immer wieder in Panik zu verfallen,
wenn die Maschine ein weiteres Stück absackte.
Judy und Cliff kamen nicht weit. Nicht nur, daß die Elektronik
ihres Bootes bald schlappmachte; sie wurden von US-Marines
aufgebracht und an Bord einer Fregatte festgehalten.
Die Navy hatte inzwischen ein Spezialtauchboot angefordert, mit dem
die nähere Untersuchung durch den Meeresspezialisten Professor
Borley vorgenommen wurde. Dieser entdeckte bald eine riesige Rampe am
Meeresboden. Von dort ging eine unbekannte Kraft aus, die ihn
unwiderstehlich einfing und weiter in die Tiefe zog - wo dann
endgültig jeglicher Kontakt abriß. Das Tauchboot wurde
dabei irreparabel beschädigt, doch Borley setzte seine
Untersuchung im Tiefendruck-Tauchanzug fort - und entdeckte bald
technische Einrichtungen, die von Außerirdischen oder einer
früheren Menschheit stammen mußten.
Da an eine rechtzeitige Evakuierung der Flugzeugpassagiere unter den
herrschenden Bedingungen nicht zu denken war, entschied sich die
Marine, das Wrack und ein metallenes Beiboot mit Stahlseilen zu
verbinden und damit zu versuchen, das Flugzeug aus der heißen
Zone zu schleppen. Dies gelang, und bald befanden sich die Geretteten
auch an Bord der Fregatte, wo sich auch Cliff und Judy aufhielten.
Nachdem die US-Marshals von diesen einiges erfahren hatten, wurden
sie von den Militärs abgeführt. Dabei bemerkten sie,
daß die Dampfwolke und auch das Meeresglühen verschwunden
waren. Sie wurden auf ein Beiboot verfrachtet und an Land
geschafft.
Borley war es inzwischen gelungen, in die Station einzudringen. Er
fand in Glaszylindern konservierte Menschen - Männer, Frauen und
auch Kinder aus der Heutezeit. Alle hatten dünne, versiegelte
Operationsnarben, wie sie nach einer Laser-OP zurückblieben.
Seine Theorie über eine vergangene Kultur war somit
widerlegt.
Als plötzlich die Tür hinter ihm zufiel, war der Professor
gefangen. Er hatte wohl irgendetwas ausgelöst, und nun erlosch
von einer langen Reihe ein kleines Lämpchen nach dem anderen.
Borley drückt wahllos Knöpfe, und einmal gelang es ihm,
eine Reaktion zu erzeugen. Über eine Holographie erkannte er,
daß eine unbekannte Kraft das zerstörte Tauchboot
erfaßte und unter strahlendem Leuchten wie einen Kugelblitz
nach oben jagte. Es handelte sich bei diesem Phänomen wohl um
eine Art Transporteinrichtung.
Als schließlich das letzte Lämpchen verlosch, explodierte
die gesamte Anlage. Eine Dutzende von Metern hohe Flutwelle
vernichtete zwei der drei Schiffe, und Judy und Cliff überlebten
nur, weil sie sich in ihre Taucheranzüge retteten und von Bord
des Beiboots in die Tiefe des Meeres getaucht waren. Dabei war es
ihnen gelungen, einen Umschlag mit Geheiminformationen
mitzunehmen.
10)
"Blutspur" von Carter Jackson
"Vampir-Horror in New York" war seit Wochen die Schlagzeile in der
Presse. Immer wieder tauchten gutbetuchte Opfer in der Stadt auf,
deren Kehle zerfetzt worden war und denen jegliches Blut fehlte. Das
war ungewöhnlich genug, damit Judy und Cliff mit den Fällen
betraut wurden. Bei der Obduktion des jüngsten Falles wurden
Spuren entdeckt, die darauf hindeuteten, daß dem Opfer mit
einer Veterinärsnadel das Blut direkt aus dem Hals abgezapft
worden war.
Am Hals wurden außerdem Bißspuren eines menschlichen
Gebisses gefunden. Die Speichelanalyse brachte jedoch das Ergebnis,
daß die Blutgruppe des Täters keiner bei Menschen
üblichen Blutgruppe entsprach. Der übrige Zustand der
Leiche deutete darauf hin, daß der Mann sexuell erregt gewesen
sein mußte, und dies brachte unsere beiden Marshals bald auf
die Spur einer Callgirlagentur.
Ab da ging es überraschend schnell voran. Mit ein wenige
Nachhelfen erhielten sie von der Chefin der Agentur den Namen, die
Adresse und ein Foto von der Frau, die die letzten drei Opfer am
Abend ihres Todes aufgesucht hatte. Dort fanden sie einen Mann, der
im Dunkeln in einem Sarg lag. Als Cliff den Deckel öffnete,
sprang der Mann heraus und begann, wild um sich zu schießen.
Cliff erschoß den Angreifer in Notwehr.
Bei der folgenden Obduktion des Mannes wurde etwas Sensationelles
entdeckt. Er litt unter einer extremen seltenen Art einer
Blutkrankheit, die den Eisengehalt des Blutes dramatisch senkte. Um
überhaupt überleben zu können, war den Mann auf
regelmäßige Zufuhr von menschlichem Blut angewiesen. Um
das Problem mit der Verträglichkeit zu lösen, hatte er in
seinem Magen ein Organ entwickelt, das eine Art Katalysefunktion
für den Körper übernahm. Da es sich um eine genetische
Krankheit handelte und bald auch die Akte des Mannes verfügbar
war, mußten die beiden Marshals den Schluß ziehen,
daß die Schwester und der Bruder des "Vampirs" unter der
gleichen Krankheit litten und noch immer auf freiem Fuß
waren.
Es war nicht schwer, die beiden ausfindig zu machen. Doch sie
ließen sich nicht fangen, schossen Cliff an und entführten
Judy, um sich an ihrem Blut gütlich zu tun. Nur mit Hilfe des
Senators, der die Autonummer überprüfte und rasch eine
Adresse dazu lieferte, kam Cliff gerade noch rechtzeitig, um Judy zu
retten. Dabei kam der Mann zu Tode; die Frau konnte verhaftet werden.
Die ärztlich Untersuchung zeigte, daß sie als einzige der
Geschwister nicht von der Erkrankung betroffen, sondern "nur" geistig
gestört war.
11) "Das
Medusa-Syndrom" von Uwe Voehl
In einer einsamen Berghütte treffen sich einige junge Leute, um
ein Wochenende gemeinsam zu verbringen. Die Stimmung ist allerdings
schlecht, und deshalb beschließen sie, etwas Aufregendes zu
versuchen - eine Séance. Am Fenster dieser Hütte war
schon früher öfters ein Indianergesicht erschienen, und die
Gruppe wollte versuchen, dieses ebenfalls zu beschwören.
Zusätzlich bastelten sie sich ein Ouija-Brett mit allen
Buchstaben des Alphabets. Tatsächlich bewegte sich das Glas auf
dem Brett und warnte sie vor einer Gefahr.
In der Nacht folgte eine der Frauen den Spuren ihres Hundes, der
draußen herumtobte, und entdeckte eine Grotte, in die das Tier
hineingelaufen war. Dort fand sie einen seltsamen Helm mit
Drähten und Schläuchen. Kaum hatte sie ihn berührt,
gehorchte ihr Körper ihr nicht mehr. Als ihre Freunde am
nächsten morgen von dem Hund zur Grotte geführt wurden,
fanden sie die Freundin nur noch als steinerne Statue. Kaum war sie
aus der Höhle geschafft, zerfiel sie im Sonnenlicht zu
Staub.
Zurück in der Hütte untersuchten sie den Helm und
betätigten einen verborgenen Schalter. Das Artefakt begann zu
leuchten und verschoß blitzende Strahlen. Wer von diesen
getroffen wurde, verwandelte sich in Stein. Der letzte der Gruppe,
Joe Stanton, erkannte, daß die Verwandlung bei jedem Strahl
länger dauerte, als ob der Helm seine Energie aufgebraucht
hatte. Ihm gelang es, durch ein Fenster zu fliehen, doch wurde seine
Hand im letzten Moment doch noch getroffen. Bald mußte Joe
feststellen, daß sie kurz darauf versteinerte und dieser
Prozeß sich langsam den Arm hinaufarbeitete.
Ein Jahr später wird in Phoenix der versteinerte Leichnam eines
Mannes namens Stanton entdeckt. Bevor dieser weiter untersucht werden
kann, schafft ihn der mysteriöse Dr. Black beiseite. Nicht weit
davon entfernt, unmittelbar am Grand Canyon, versteinerte eine
berühmte Modefotografin während einer Aufnahmepause. Dort
wurde eine Gestalt mit einem merkwürdig anachronistisch
aussehenden Helm beobachtet.
Diese Sachen waren mysteriös genug, damit Senator Campbell seine
beiden Spezialagenten Judy Davenport und Clifford Conroy darauf
ansetzte. Er gab ihnen einen weiteren Hinweis mit: Die Webseite BLACK
AND WHITE MAGIC, die sich mit seltsamen Phänomenen und auch mit
den verschwundenen jungen Leuten beschäftigt hatte, war seit dem
Tag nach Stantons Tod gesperrt.
Es dauerte nicht lange, und die beiden Marshals hatten
herausgefunden, daß Stanton vor kurzem Besuch von seinem
vermißten Sohn gehabt hatte. Ein Augenzeuge hatte ihn erkannt,
trotz seines seltsamen Helms. Mit einem Trick kommen sie auf die Spur
eines der beiden Betreiber der Webseite. White ist ein blinder
Schwarzer im Rollstuhl, Black ist sein Partner, der die Leiche des
versteinerten Stanton stibitzt hatte.
White hatte die Webseite geschlossen, weil Black immer seltsamer
geworden war. White hatte Angst vor seinem ehemaligem Partner und
befürchtete auch, daß irgendeine Behörde ihnen
nachstellte. Dies bewahrheitete sich, als Judy und Cliff
plötzlich verfolgt wurden. Auch Whites Angst war begründet,
denn Black ermordete ihn kurz darauf. Doch White hatte damit
gerechnet, und es gelang ihm noch, seinem Expartner ein langsam
wirkendes Gift zu verabreichen.
Inzwischen waren auch bei den restlichen Mitgliedern der Foto-Session
erste Anzeichen von Versteigerungen zu spüren, doch sie konnten
rechtzeitig in ein Krankenhaus gebracht werden. Dort konnte man das
Versteinern zwar nicht aufhalten, aber Cliff und Judy konnten die
Patienten wenigsten noch befragen. Einer von ihnen hatte keinerlei
Symptome, was vielleicht daran lag, daß er ständig eine
verspiegelte Sonnenbrille trug. Auch der seltsame Helm wurde wieder
erwähnt. Sie erkannten bald, daß Sonnenlicht den Zerfall
beschleunigte.
Also ging es nun auf zur Hütte. Der herumstreunende Hund
führte Cliff zur Grotte, wo er ein gutes Dutzend weitere
versteinerte Gestalten fand. Dann traf er auf Stanton, der ihm
gnadenlos nachsetzte. Selbst Kugeln machten ihm nichts mehr aus. Als
Judy ihm furchtlos entgegentrat, setzte er die ganze Kraft seines
Helms gegen sie ein - und diese wurde durch ihre Sonnenbrille
reflektiert. Bei dieser kurzen Entfernung wurde der Helm scheinbar
überladen. Blitze schossen aus ihm heraus, und schließlich
versteinerten er und sein Träger völlig, bevor sie im
Sonnenlicht schließlich zerfielen.
Wieder einmal gab es keinerlei Beweise. Bis auf die versteinerte
Leiche, die Black beiseite geschafft hatte - und die er McKay
überließ, der ihm im Gegenzug eine langjährige
Behandlung zusicherte, die ihm irgendwann vielleicht seine
Bewegungsfreiheit wiedergeben würde, die er durch das Gift
seines Partners vom Hals abwärts eingebüßt hatte.
12)
"Traumtod" von Lars Urban
Eine junge Lehrerin in Virginia erlebt im Traum immer wieder den Tod
von Menschen mit, als ob sie selbst der oder die Sterbende wäre.
Als ihr dann irgendwann klar wird, daß diese Vorkommnisse
tatsächlich passiert sind, bekommt sie einen Schock. Bei der
Polizei will man ihr natürlich nicht glauben, doch als sie
wichtige Hinweise auf einzelne Unfallursachen liefert, wird man doch
hellhörig. So auch Senator Campbell, der seine beiden
US-Marshals auf den Fall ansetzt.
Bald stellte sich heraus, daß es eine weitere Frau gab, die
unter einer ähnlichen Fähigkeit litt. Und das ungleich
schlimmer, denn die Träume ließen sich bei ihr nicht
einmal durch starke Schlafmittel eindämmen, und es bestand akute
Lebensgefahr. Bald fand sich eine dritte Patientin mit den gleichen
Symptomen, deren Untersuchung schon einige Jahre zurücklag. Es
handelte sich hier um die 13jährige Kirsty Howe, und sie hatte
mit beiden anderen Frauen kurz vor deren ersten Anfällen heftige
Dispute.
Die Kleine erwies sich als richtige Kratzbürste, die ihre Umwelt
tyrannisierte und jegliche Verbindung zu den Träumen der beiden
anderen abstritt. Sie änderte ihr Verhalten auch kein
bißchen, als sie hörte, daß ihre Lehrerin
während eines solchen Alptraums einen Herzinfarkt erlitten hatte
und daran gestorben war. Schlimmer noch, Kirsty fühlte sich von
Judy geärgert und schickte ihr nun die Träume auch. Da Judy
mitten am Tag von ihnen betroffen wurde, wäre sie bei einem
Unfall fast ums Leben gekommen.
Als Cliff Kirsty deswegen noch einmal aufsuchte, wurde er von der
Offenheit des kleinen Mädchens überrascht. Seit 5 Jahren
hatte sie diese Träume und war dabei schon fast alle Todesarten
selbst gestorben. Kirsty litt sehr darunter - bis sie herausfand,
daß sie die Träume auf andere Frauen ableiten konnte und
somit selbst verschont blieb. Bei Männern funktionierte das
nicht. Offenbar war die Reichweite des Mädchens auch auf etwa
100 km beschränkt, was sowohl die wirklichen Todesfälle als
auch die Traumopfer betraf. Kirsty suchte sich die Frauen aus, die
sie geärgert hatten. Sie fand das besser, als Unschuldige damit
zu quälen.
Als Kirsty dann plötzlich wieder auf bockig schaltete, schnappte
sich Cliff kurzentschlossen das Mädchen und nahm es mit. Judy
hatte wieder einem Alptraum, und deshalb brachte Cliff Kirsty so
rasch wie möglich über die 100-Meilen-Grenze von Judy weg.
Dies war es auch, was Judy schließlich rettete und den
lebensgefährlichen Anfall unterbrach.
Im Lauf der Tage wurde Kirsty zutraulich und gestand, daß sie
ihre Fähigkeiten nur unzureichend kontrollieren konnte.
Beispielsweise konnte sie eine einmal aktivierte Weiterleitung der
Träume nicht mehr zurücknehmen. Als sie selbst wieder
einmal von diesen übermannt wurde, war diesmal alles anders. Sie
hatte von einem PSI-Begabten namens Bloom geträumt, der sich in
Gefahr befand, und dieser hatte irgendwie ihre Kräfte angezapft
und versucht, sich selbst dabei zu retten. Offenbar war er von
NSA-Männern verschleppt worden, um ihn zur Zusammenarbeit zu
zwingen. Da das Hauptquartier der NSA im 100-Meilen-Radius lag
...
Um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, entschlossen sich Judy,
der es wieder etwas besser ging, und Cliff, zusammen mit Kirsty
näher an die NSA-Zentrale heranzufahren. Und tatsächlich,
als Bloom aufgrund der Folter durch die NSA wieder Todesangst
verspürte, entstand erneut eine geistige Verbindung zu Kirsty.
Diesmal war die zusätzliche Kraft aufgrund der
größeren Nähe enorm. Bloom schaffte es, eine ganze
Reihe von NSA-Männern zu besiegen, bis er schließlich auf
McKay traf, der sowohl seiner Telekinese als auch seinen suggestiven
Kräften scheinbar mühelos widerstand - und Bloom
schließlich erschoß.
Kirsty war nach diesem Vorkommnis unglaublich erschöpft.
Offenbar hatte der Kontakt ihr viel Kraft entzogen. Sie hatte sogar
ein paar Pfund an Gewicht verloren. Wie sich bald herausstellte, war
auch ihre Fähigkeit, den Tod anderer zu träumen, ihr
abhanden gekommen. Als sie Campbell Bericht erstatteten, erfuhren
sie, daß dieser sie gar nicht mit diesem Fall beauftragt hatte.
Irgendwer hatte sich in die streng geheime Kommunikationskette
eingeschleust.
13) "Fabrik
der Klone" von Carter Jackson
In einem Vorort von Los Angeles wird eine Frau Zeuge eines Mordes an
ihrem Nachbarn Eric Anderson. Als die Polizei 15 Minuten später
eintrifft, ist die Leiche bereits stark verwest. Das ruft die beiden
US-Marshals Judy Davenport und Cliff Conroy auf den Plan.
Vom zuständigen Pathologen erhalten sie zwar keine
schlüssige Theorie, wie eine derart rasche Verwesung
möglich ist. Dieser hatte jedoch herausgefunden, daß der
Tote acht Chromosomen weniger hatte als normale Menschen, und zwei
waren doppelt vorhanden. Mehr war nicht zu erfahren, auch wenn Cliff
meinte, den Toten schon einmal irgendwo gesehen zu haben - zumindest
sein Ausweisbild kam Cliff bekannt vor.
Tatsächlich fand sich auf der Ghost Rider-CD eine Akte über
einen vor 10 Jahren verschwundenen John McGrath, dessen
Fingerabdrücke mit denen von Eric Anderson übereinstimmten.
McGrath war Biochemiker in geheimen Forschungslabors der US-Regierung
gewesen.
Kurz darauf erhielten die beiden ein Fax von Senator Campbell,
daß in Utah ein weiterer Mann umgebracht und kurz darauf
völlig verwest gefunden worden war. Das beiliegende Bild schien
deutlich zu machen, daß auch dieser Mann Eric Anderson wie ein
Ei dem anderen glich. Bald hatten sie auch herausgefunden, daß
alle drei in einem kleinen Ort namens Myrtle Creek geboren waren.
Dort kannte aber niemand die gesuchten Namen, und auch das
Geburtsregister gab nichts her. Als der örtliche Sheriff jedoch
das Bild der gesuchten Männer sah, erkannte er sofort Dr.
Spruill darauf, der seit 10 Jahren hier wohnte.
Als sie diesem erklärten, daß in den letzten 48 Stunden
zwei Männer ermordet worden waren, die ihm wie aus dem Gesicht
geschnitten schienen, und daß sie nun befürchteten, er
stünde ebenfalls auf der Abschußliste des Mörders,
war dieser bereit, sein Geheimnis zu offenbaren.
Er war der "echte" Dr. McGrath, der vor Jahren einen
Forschungsauftrag angenommen hatte, eine reproduzierbare Armee - also
menschliche Klone - zu schaffen. Irgendwann beschlossen die
entscheidenden Männer, denen nicht einmal der Präsident
weisungsbefugt war, das Projekt brächte zu wenig Ergebnisse.
McGrath nahm sich deshalb seine Forschungsunterlagen und tauchte
unter, setzte seine Forschungen im Geheimen fort und war
schließlich erfolgreich. Er züchtete mehrere Klone nach
seinem Abbild. Leider waren die erschaffenen Klone noch nicht ganz
perfekt; die genetische Struktur war instabil, was den raschen
Verfall erklärte. Nun wollten die entscheidenden Männer die
Ergebnisse von McGraths Forschung für sich nutzen und ihn selbst
ausschalten.
Im Keller des Hauses, in McGraths Labor, entdeckte Cliff acht noch
nicht völlig fertige Klone. Währenddessen erschien ein
weiterer Klon und überwältigte Judy. McGrath entnahm ihr
ein Stück Haut, mit dem er die Gen-Defekte seiner künftigen
Klone zu beheben hoffte. Dann erschien der Killer, der dem Klon nach
Myrtle Creek gefolgt war. Er überwältigte den echten
Biologen, während dessen Klon unerkannt entkommen konnte. Dann
ging er in den Keller, wo er zum einen den lästigen Zeugen - den
er für Dr. Spruill hielt - beseitigen und zum anderen die
wichtigen Forschungsunterlagen sicherstellen wollte.
Mit dem vermeintlichen Doktor hatte er mehr Schwierigkeiten als
erwartet, blieb aber dennoch Sieger und fesselte den Mann mit
Handschellen an die Heizung. Dann öffnete er den Tresor mit dem
Schlüssel und der Nummer, die er McGrath vor dessen Ermordung
abgenommen hatte. Doch McGrath hatte ihn getäuscht und ihm eine
Nummer gegeben, die versteckte Sprengladungen zündete. So
rächte er sich noch nach seinem eigenen Tod an seinem
Mörder und zündete zugleich das Labor an. Mit der Pistole
des Killers, die dieser bei der Explosion verloren hatte, befreite
sich Cliff und rettete Judy schließlich aus dem brennenden
Haus.
14) "Das
elektrische Grauen" von Uwe Voehl
Seit im Crimson-Tower, einem Hochhaus in Chicago, ein Blitz
eingeschlagen war, geschahen dort seltsame Dinge. Eine Bewohnerin
hatte Visionen, auf dem Computerbildschirm eines Schriftstellers
erschien ein Gesicht aus binären Zeichencodes, ein anderer traf
seine tote Freundin, drehte durch und sprang kopfüber in den
Fernseher. Es schien manchmal regelrecht zu spuken. Oder, um es
anders auszudrücken, die Zahl der PSI-Phänomene nahm
sprunghaft zu. Und dies im ganzen Viertel um den Tower herum.
Gründe genug für Senator Campbell, Judy und Cliff mit der
aktuellsten Ghost Rider-CD auszustatten und sie mit der Klärung
des Falles zu beauftragen.
Sie fanden jede Menge einzelner Vorfälle, die sich weder
erklären noch nachvollziehen ließen. Als sie schon eine
Woche ohne jedes Ergebnis ermittelten, half der Zufall ein wenig mit.
In den Fernsehnachrichten wurde über den Mord an drei
Jugendlichen berichtet, und weil Cliff während der Aufnahmen im
Hintergrund Anzeichen für eine Satansmesse entdeckte,
entschieden sie sich, hier näher zu ermitteln.
Dort trafen sie einen alten Mann namens Ben McMenimen vor, der sein
Tonbandgerät wiederhaben wollte, das ihm der jugendliche
Mordverdächtige Jim Parkinson tags zuvor abgenommen hatte.
Seiner Aussage nach war darauf die posthume Stimme des
Massenmörders Crimson Ripper. Ben war der festen
Überzeugung, daß dieser in Jim eingefahren und ihn zum
Mord an seinen Kumpels gezwungen hatte. Offenbar war bei dem Mann
geistig auch nicht mehr alles in Ordnung.
Ben war in Wahrheit ein Satanist, wie Crimson Ripper es auch gewesen
war, und Ben hatte damals schon zu dessen Gruppe gehört. Jim
hatte ihn gestern Abend angerufen und ihm deutlich gemacht, daß
er nun von Crimsons Geist besessen war. Ben war überzeugt,
daß Jim das gleiche widerfahren war wie von 37 Jahren seinem
Freund Crimson. Und daß nun wieder eine Mordwelle
bevorstand.
Judy zweifelte nicht daran, daß Ben sie belogen hatte. Sie
vermutete, daß er mit Jim noch in engem Kontakt stand. Deshalb
bewaffnete sie sich und machte sich in der kommenden Nacht auf, um
dessen Haus zu observieren. Bald sah sie ein seltsames Licht, das
über die elektrische Oberleitung in Bens Wohnung verschwand.
Dann kam Jim Parkinson und ging ebenfalls hinein. Da ihr Handy
plötzlich ausgefallen war und sie deshalb keine Hilfe rufen
konnte, entschloß sie sich, selbst nachzuschauen. Ben
glühte von innen heraus, und Jim wartete auf sie. Sie verlor
überraschend ihr bewußtes Denken und fiel schnell in eine
tiefe Lethargie.
Als Cliff aufwachte, entdeckte er Judys Nachricht und folgte ihr
augenblicklich. Er fand jedoch nur einen toten Ben vor, der offenbar
in die Steckdose gegriffen hatte. Also blieb nur noch der Crimson
Tower. Dort war eine Menschenmasse vor den Aufzügen
zusammengelaufen. Es hatte einen Toten gegeben, der aus dem Aufzug
gefallen war. Er war schwarz, als ob ihn der Blitz getroffen
hätte. In einem zweiten Aufzug lag ohnmächtig eine Frau.
Jeder, der sie berührte, bekam einen elektrischen Schlag.
Das ganze Gebäude schien regelrecht aufgeladen zu sein, und
draußen braute sich ein starkes Gewitter zusammen. Da wachte
die Frau auf und versuchte, Cliff davon zu überzeugen, daß
irgendetwas vor wenigen Wochen während des Gewitters in das Haus
eingefahren war, das nun in den elektrischen Leitungen lebte. Cliff
sah sich den Fahrstuhl an, der sich plötzlich in Bewegung
setzte.
Jim hatte Judy inzwischen auf das Dach des Crimson Tower gebracht. Er
hatte schier übermenschliche Kräfte, und Judy war
inzwischen überzeugt, daß er von irgendetwas besessen war.
Tatsächlich nahm dieses Etwas bald Kontakt mit ihrem Geist auf.
Plötzlich erinnerte sich Judy, daß sie diesem Wesen schon
einmal begegnet war - in den zwei Stunden, die völlig in ihrer
Erinnerung fehlten. Das Wesen wartete auf etwas, das sich am Himmel
bereits als Pentagramm abzeichnete. Und es wollte sie mitnehmen.
Plötzlich riß der Kontakt ab, und Jim brach zusammen. Der
Strom im Gebäude war ausgefallen - und das Pentagramm im Himmel
war verschwunden. Auch Cliffs Fahrstuhl kam zwischen den beiden
obersten Stockwerken zum Halten. Er kletterte hinaus und traf bald
auf Judy, die unverletzt war. Die beiden stellten sicher, daß
niemand auf die Idee kam, die Sicherungen wieder
hineinzudrücken.
Eine Woche später hatten fast alle abnormen Vorfälle in der
Gegend aufgehört. Der Crimson Tower war noch immer ohne Strom,
und man würde die gesamte Elektrik auswechseln. Wer oder was
dieses Wesen wirklich gewesen war, blieb unklar.
15)
"Außer Kontrolle" von Carter Jackson
Irgendetwas war in der Nacht aus den Labors der Firma Bradbury
Biochemics entkommen und hatte dabei einen Wachmann regelrecht
zerrissen. Daß das gesamte Areal kurz darauf von Militärs
durchsucht wurde, wenn auch ohne jeden Erfolg, deutete darauf hin,
daß es sich um etwas sehr Teures, sehr Geheimes oder sehr
Gefährliches handelt mußte. Als der erste Farmer in der
Gegend inklusive seiner kleinen Rinderherde förmlich zerrissen
wurde, war klar, daß es sich um eine ziemlich große
Gefahr handelte.
Vom zuständigen Pathologen erfuhren die beiden US-Marshals Judy
Davenport und Cliff Conroy, daß die Blutspuren des Täters
ungewöhnlich waren. Seine Zellstruktur war nicht konkret
einzuordnen, und die Farbe war grün. Die Genanalyse brachte
Ergebnisse, die darauf hindeuteten, daß der Täter sowohl
menschliche wie auch tierische Gene in sich vereinte.
Überwiegend schienen sie jedoch von einem Affen abzustammen. Und
da gab es noch einen abnorm hohen Kupferanteil im Blut, der nicht zu
erklären war. Nicht zuletzt wies das geschlechtsbestimmende
Chromosom eine schier unglaubliche Abnormität auf. Frauen hatten
hier ein XX, Männer ein XY. Einige Schwerverbrecher sollten hier
ein XYY haben, was unter der Bezeichnung Killer-Gen in die Literatur
eingegangen war. Der Mörder hier hatte ein XYYYY -
möglicherweise also ein menschlicher Affe mit einem
Aggressionspotential, das dem aller anderen Wesen auf dieser Welt
haushoch überlegen war.
Bald war der nächste Tote zu beklagen. Als sie am Ort des
Verbrechens einen Mann beobachteten, der sich dort aufhielt, bevor
das Verbrechen öffentlich gemacht worden war, erhielten sie
über dessen Kennzeichen einen Hinweis auf Bradbury
Biochemics.
Dort erfuhren sie zwar nichts weiter, trafen aber kurz darauf auf
einen Tierschützer namens Brian Thompson, der die Firma schon
länger beobachtete. Er beschuldigte sie, genetische Tierversuche
in weit größerem als dem gesetzlich erlaubten Umfang zu
machen, und erzählte auch von dem großen
militärischen Aufgebot, das vor zwei Nächten hier
urplötzlich aufgetaucht war, sowie von dem Leichenwagen, der auf
das Firmengelände gefahren war, es aber kurz darauf wieder
verlassen hatte.
Dann überraschte Brian sie, als er erklärte, daß er
sich vor einer Woche in die Computer von Bradbury Biochemics gehackt
und dort eindeutige Hinweise auf ein militärisches Geheimprojekt
mit dem Code-Namen Golem entdeckt hatte. In diesem sollte ein Primat
gentechnisch so verändert werden, daß seine Angst sinken
und seine Aggressivität sowie auch seine Intelligenz stark
gesteigert werden sollten. Genmanipulierte Tiere als Elitesoldaten
der US-Armee. War solch ein Tier etwa entkommen?
Leider hatte Brian keinen Beweis, denn bevor er wesentliche Dateien
kopieren konnte, wurde er entdeckt. Als sie sich noch einmal die Orte
auf der Karte ansahen, an denen der Affe definitiv gewesen war, also
die Farm und dann die beiden Tatorte, konnte man daraus eine Struktur
erkennen. Falls ihr Verdacht zutraf und der Affe auch in seinem
Denken militärisch manipuliert war, konnten sie
möglicherweise den Ort des nächsten Überfalls erahnen.
Dorthin machten sie sich dann auf den Weg.
Tatsächlich fanden sie dort Spuren des Primaten, die eindeutig
in eine Höhle führten. Dort wurden sie von diesem auch bald
angegriffen, konnten ihn aber mit der Pistole verwunden und
vertreiben. Brian wurde dabei verletzt. Kaum wieder aus der
Höhle heraus, wurden sie von Soldaten überwältigt und
zu Bradbury Biochemics gebracht.
Dort trafen sie auf den Forschungsleiter des Projekts Golem, Dr.
Koontz. Dieser erklärte ihnen, daß der zu Versuchszwecken
mit Gelbfieber infizierte Affe wieder eingefangen und inzwischen
eingeschläfert worden war. Die beiden US-Marshals und Brian
würden sich nun einer wenig angenehmen Entseuchung unterziehen
müssen - zu ihrer eigenen und der Sicherheit der sonstigen
Bevölkerung. Danach wurden sie freigelassen.
Wieder einmal hatten sie nichts in der Hand, keine Unterlagen, kein
totes, genmanipuliertes Tier. Einzig Brian konnte die Stimmung ein
wenig heben. Ihn hatte man, nachdem seine Wunden versorgt waren, kurz
allein gelassen. Diesen Moment hatte der junge Mann genutzt, um einen
Virus in das Computer-Netzwerk zu schleusen, der alle Daten - selbst
die allerprofansten - innerhalb weniger Minuten löschen
würde. Als sich die drei draußen umwandten, sahen sie
noch, wie bei Bradbury Biochemics die Lichter ausgingen.
16) "Der
Parasit" von Lars Urban
Zwei Hobbyjäger fanden mitten in der Wildnis von Alaska einen am
Bauch schwer verletzen Mann namens Jefferson. Als sie ihn tags darauf
abtransportieren wollten, waren seine Wunden beinahe verheilt, und er
beschwor sie, ihn hierzulassen und auf keinen Fall in eine Stadt
mitzunehmen, wenn sie nicht verbrennen wollten. Doch die beiden
konnten ihn nicht einfach sterben lassen, denn ihr provisorischer
Verband war von den enormen Selbstheilungskräften des Mannes
einfach mit in der Wunde verschlossen worden, und es drohte ein
Blutvergiftung.
Einige Wochen später wurden Cliff und Judy in eine Kleinstadt
beordert, wo es innerhalb von wenigen Tagen bereits drei Fälle
von ungeklärten Verbrennungen mit Todesfolge gegeben hatte. Die
Leichen erinnerten stark an die dehydrierten Körper, die die
beiden beim Lindwood-Experiment und in der Painted Desert gefunden
hatten. Hier waren die Leichen allerdings eher vertrocknet als
verbrannt.
Von einem Assistenzarzt hörten sie von einem Mann namens
Jefferson, der sich trotz seiner Verletzungen vehement gegen seine
Einlieferung gewehrt hatte. Er befürchtete, daß sonst die
Strafe Gottes über die Menschen käme, wobei sie alle
verbrennen würden. Weil dann die seltsamen Verbrennungen
aufgetaucht waren, hatte sich der Arzt an den Mann erinnert. Dieser
war aber wenige Tage nach seiner Einlieferung verstorben.
Bald fanden sie Hinweise, daß es auch ein paar tote Katzen
gegeben hatte - mit ähnlichen Symptomen. Ihre Besitzerin war vor
14 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden, in dem Jefferson
gestorben war. Sie war dort wegen einer Blindarmoperation und hatte
sich im Krankenhaus infiziert. Ein paar Tage darauf war sie
völlig überraschend genesen.
Kaum hatten sie mit ihren Ermittlungen begonnen, fanden sich zwei
weitere Tote. Einer war verbrannt wie die anderen, und zwar innerhalb
von weniger als 2 Minuten - obwohl er während dieser Zeit in der
heißen Badewanne gesessen hatte. Die andere war die Besitzern
der toten Katzen. Sie hatte sich mit einem Pestizid selbst
umgebracht. Auf Band hatte sie ein paar letzte Worte
hinterlassen.
Es hatte alles im Krankenhaus begonnen. Dort war sie dann schwer
erkrankt, und die Bauchwunde der Operation war häßlich
entzündet. Jedoch konnte sie nach kurzer Zeit auf wundersame
Weise als geheilt nach Hause entlassen werden. Dort wurden die
Bauchschmerzen bald wieder schlimmer. Eines Nachts riß ihr
Bauch einfach auf, und eine etwa 15 cm große Spinne kroch
heraus. Bei diesem Anblick wurde die Frau ohnmächtig.
Als sie wieder erwachte, war die Wunde wieder geschlossen, wenn auch
stark gereizt. Dafür war die erste ihrer Katzen auf die bekannt
entsetzliche Weise gestorben. Seitdem mieden die anderen Katzen sie,
obwohl sie vorher so zutraulich waren. In der Nacht darauf
wiederholte sich der Vorgang mit der Spinne, und alle Katzen wurden
getötet. Bei der Nachuntersuchung verschwieg die Frau ihre
Erlebnisse aus Angst, sich lächerlich zu machen. Und
tatsächlich hatte sie dann ein paar Tage Ruhe. Dann brach die
Spinne wieder aus ihr hervor. Deshalb hatte sie das
Insektenvernichtungsmittel gekauft und geschluckt - in der Hoffnung,
die Spinne damit töten zu können.
Als wenige Tage darauf das nächste Opfer eingeliefert wurde und
der Taxifahrer Lee, in dessen Taxi der Mann "verbrannt" war, mit
einer schlimmen Bauchverletzung ebenfalls in ärztliche Obhut
mußte, hatten die beiden Marshals einen konkreten Anhaltspunkt.
Alle Patienten mit Bauchverletzung hatten auf Röntgenbildern
deutlich zu erkennende, wenn auch überraschend kleine Flecken
auf der Leber, so auch Lee.
Während Judy auf die näheren Befunde wartete, machte sich
Cliff auf, um die Hütte von Jefferson, dem ersten Opfer, zu
untersuchen, die mitten in der Wildnis von Alaska lag. Dort fand er
die Aufzeichnungen des Mannes. Dieser hatte eines Tages einen
Kaninchenbau entdeckt, in den sein Hund auch sofort eingedrungen war.
Danach war das Tier für Tage verschwunden gewesen und
schließlich mit einer häßlichen Bauchwunde
zurückgekehrt.
Bald darauf verschwanden nach und nach die von Jefferson
gezüchteten Wachteln. Einmal erwischte er seinen Hund, der
Schaum vor dem Maul hatte, als dieser gerade einen der toten
Vögel verscharren wollte. Der Hund griff Jefferson an, so
daß dieser ihn erschießen mußte. Da riß der
Körper des Tieres auf. Eine Spinne kroch heraus, sprang den
Trapper an und riß ein Loch in dessen Bauch, in das sie dann
auch noch hineinkroch.
Seitdem fühlte sich der Trapper tagsüber kerngesund,
Verletzungen heilten fast augenblicklich, und selbst ein Sturz in
einen Eisbach und die langsame, stundenlange Rückkehr
ließen ihn nicht erkranken. Scheinbar beschützte der
Parasit seinen Wirt. Doch Abend für Abend kehrten die
Bauchschmerzen zurück, und die Spinne kroch aus ihm heraus.
Eines Tages konnte er dabei die Ohnmacht überwinden, bevor sie
zurückgekehrt war. Dabei beobachtete er, wie die Spinne ein Reh
anfiel und dieses dann innerhalb von Sekunden von innen verbrannte.
Jefferson konnte jedoch in seinem geschwächten Zustand die
Rückkehr der Spinne in seinen Körper nicht verhindern.
So ging es dann monatelang, den ganzen langen Winter über.
Einmal überwinterte ein dreister Wilderer in seiner Hütte;
er mußte dies mit dem Leben bezahlen. Deshalb ging Jefferson
zurück zu dem vermeintlichen Fuchsbau. Er entdeckte etwas
Metallisches, schüttete daraufhin den Eingang zu und verwischte
sämtliche Spuren, damit niemand dort unten vielleicht noch mehr
Parasiten aufweckte. Seitdem waren nun 15 Jahre vergangen.
Währenddessen hatte der leitende Arzt beschlossen, sich die
Flecken auf Lees Leber einmal direkt anzuschauen, und operierte den
Mann, obwohl Judy ihm von ihrem Verdacht über den Parasiten
erzählt hatte. Durch die Operation wurde der Parasit
aufgeschreckt und kletterte aus der Wunde. Mit einem Satz sprang er
eine Assistentin an, die nach wenigen Sekunden als ausgedörrter
Leichnam zusammensank. Dann verschwand die Spinne durch eine
Tür, die die flüchtenden Ärzte und Helfer aufgelassen
hatten, und von dort in den Wäscheschacht.
Alle Patienten wurde sofort evakuiert, das Krankenhaus auf den Kopf
gestellt, aber von der Spinne fehlte jede Spur - bis auf Cliffs
Vorschlag hin alle Patienten noch einmal auf eine frische
Bauchverletzung hin untersucht wurden. Da wurde man bei einer Frau
schließlich vermeintlich fündig. Doch die rasch
durchgeführte Röntgenaufnahme ergab keinen Schatten. Der
Parasit war ihnen entwischt.
Zwei Tage darauf fiel die Besatzung eines Rettungshubschraubers auf
dem Dach des Klinikums der Spinne zum Opfer. Einer wurde
getötet, der zweite erlitt eine schreckliche Bauchwunde. Dieser
wurde sofort isoliert. Man konstruierte eine Art Käfig, der den
Mann sofort völlig abschirmen würde, sobald die Spinne
seinen Körper verlassen mußte, weil sie Hunger hatte. So
hoffte man, sein Leben zu retten. Leider versagte die Mechanik, und
die Spinne kehrte in ihren Wirt zurück.
Der alternative Plan sah vor, dem Mann ein leicht radioaktives
Kontrastmittel zu spritzen, das den Parasiten auch schon aus
Jeffersons Körper vertrieben hatte. Dann wollte man versuchen,
ihn in einer Metallbox mit Nährflüssigkeit einzusperren. Es
schien zu klappen. Cliff, mit einem Schutzanzug angetan, packte die
Spinne mit einer Zange, als sie fast aus dem Bauch des Mannes
herausgekrochen war. Doch sie entwischte, und durch einen
unglücklichen Zufall platzte das Glas von Cliffs Helm. Da sich
die Spinne nun ihm zuwandte, hatte Judy keine andere Chance und
schoß auf das Tier. Getroffen glühte es kurz auf, und
zurück blieben nur ein Häufchen Asche und ein paar
Spinnenbeine, die während des Kampfes abgerissen worden
waren.
Die Untersuchung der Überreste ergab eine völlig unbekannte
organische Substanz mit einer Dreifach-Helix der DNS. Die Ärzte
gingen von einer einmaligen Anomalie aus, doch Cliff und Judy
wußten es besser. Sie vermuteten, daß die
Außerirdischen diese Wesen brauchten, um vor Krankheitserregern
auf der Erde geschützt zu sein. Schließlich hatte die
Spinne ja alle ihre Wirte vor Krankheiten und Verletzungen
geschützt. Jefferson hatte vermutlich die Reste eines
abgestürzten Raumschiffes entdeckt, und sein Hund hatte die
Spinne irgendwie geweckt.
17) "Der
Feind in der Wüste" von Wolfgang Hohlbein
Über der Mojave-Wüste kommt es zu einem sogar statistisch
unglaublich seltenen Vorfall. Ein Flugzeug rammt im Flug ein anderes
und zerschellt daraufhin. Das andere war ein UFO
Außerirdischer, das ebenfalls abstürzt. Zwei
Motorradfahrer, die zufällig in der gleichen Gegend waren,
wurden hypnotisiert und so gezwungen, einen Teil des UFOs mit
bloßen Händen auszugraben. Als sie schließlich einen
scheinbar kristallinen, schwach leuchtenden Teil erreichten, wurde
ihnen innerhalb von Sekunden alle Flüssigkeit entzogen, und sie
zerfielen zu Staub. Das Leuchten nahm daraufhin merklich zu.
Es dauerte ein knappes Jahr, bis wieder Menschen in diesen
verlassenen Teil der Wüste kamen - wenn auch aus ganz anderem
Grund. Ein Geologe hatte einen ungewöhnlichen Termitenhügel
entdeckt. Die Biologin Kimberly Jackson, zusammen mit ihrem Kollegen
Michael Webster aus dem Institute of Science, erkannte diesen als
wirklich einmalig im Tierreich. In einem Graben hatten die kleinen
Insekten einen riesigen, fast 15 Meter hohen nadelförmigen Turm
mit einer Art Festungsmauer außen herum gebaut. Sie errichteten
kurz darauf eine kleine Forschungsstation, um diese Termiten
näher zu untersuchen.
Bald schon zeigten sich die ersten noch ungewöhnlicheren
Ergebnisse, und die Biologin forderte immer mehr und immer teurere
Instrumente an. Schließlich bat der Leiter des Instituts sie zu
sich, um die Anforderungen zu begründen. Kimberly sprach von
seltsamen Verhaltensweisen, die eindeutig von Intelligenz zeugten,
und schilderte ein paar Beispiele. Schließlich war ihr Chef
zwar überzeugt, wollte diese Forschungen allerdings nicht mehr
ihr allein, sondern einem Team von Spezialisten unter ihrer
Beteiligung übergeben.
Da griff die Biologin ihren Boss überraschend an. Sie war ihm
schon während des Gesprächs als etwas unstet aufgefallen,
aber mit einem Angriff der deutlich kleineren Frau hatte der Mann
nicht gerechnet. Doch sie schien Bärenkräfte zu haben, und
plötzlich krochen von überall aus ihrer Kleidung Termiten
hervor und stürzten sich auf den Mann. Ein paar von ihnen
schafften es bis in seinen Mund, kletterten in seine Luftröhre
und schlossen diese ab, bis er erstickt war. Dann verbargen sich alle
Insekten wieder in Kimberlys Kleidung, die den Leichnam keines
Blickes mehr würdigte, alle Informationen über ihr Projekt
aus den Instituts-Computern löschte und dann wieder in die
Wüste fuhr.
Der seltsame Tod des Institutsleiters rief dann schließlich die
beiden US-Marshals Judy Davenport und Cliff Conroy auf den Plan.
Ebenso wie die Tatsache, daß sich die Termiten aus dem Hals des
Mannes nicht fotografieren ließen, weil irgendeine Strahlung
den Film zerstörte. Im Institut konnte man ihm über die
geheimnisvolle Strahlung auch nicht weiterhelfen. Als gelerntem
Computerfachmann gelang es ihm aber rasch, eine gelöschte Datei
mit dem Namen Termiten.dat zu entdecken und wieder zu rekonstruieren.
Dort fanden sie Hinweise auf den seltsamen Termitenbau und die beiden
Wissenschaftler, die diesen untersuchten.
Dort angekommen erfuhren sie nichts Neues. Die Wissenschaftler waren
sichtlich geschockt von der Nachricht über den Tod ihres Chefs.
Kimberly hatte diesem zwar vor ein paar Tagen ein paar Termiten zur
Untersuchung gebracht, aber ansonsten hatten sie ihn schon seit Tagen
nicht mehr gesehen. Cliff fielen einige Behälter mit einer
ekligen weißen, zähen Flüssigkeit auf, die die
Wissenschaftler für irgendwelche Experimente brauchten. Er nahm
heimlich eine Probe, die er analysieren ließ.
Die Analyse der weißen Masse ergab, daß es sich um einen
Pilz handelte, den Termiten üblicherweise als Nahrung anbauten.
Auch hier wurde die seltsame Strahlung gefunden - und diese bewirkte,
daß sich der Pilz nahezu explosionsartig vermehrte, seine Masse
in etwa einer Stunde verdoppelte. Wenn die Strahlung hierfür
tatsächlich die Ursache war und bei den Termiten ähnliches
bewirkte, würden die beiden Marshals in sehr kurzer Zeit einem
riesigen Termitenheer gegenüberstehen, das vielleicht sogar
intelligent, zumindest wohl aber fremdgesteuert war. Und die vielen
geflügelten Tiere waren alles paarungsfähige Exemplare, die
wohl bald ausschwärmen und weitere Stöcke gründen
würden.
Cliffs Nachfrage bei einem ihm bekannten Physiker, um was es sich bei
dem seltsamen Gerät handelte, das die beiden zusammengebaut
hatten, ergab, daß es sich nicht um ein Gerät zur
Beobachtung von Insekten handelte. Als sie tags darauf unbeobachtet
zum Camp in der Wüste zurückkehrten, sahen sie, daß
der ganze Bau so von geflügelten Termiten bedeckt war, daß
er regelrecht glitzerte. Kaum eines der Tiere bewegte sich. Irgendwie
sah das gesamte Gebilde aus wie eine riesige Satelliten-Antenne. Erst
als die obere Spitze der Nadel plötzlich zerbarst, verhielten
sich die Insekten wieder wie ganz normale Termiten.
Von Senator Campbell erfuhren sie, daß vor einem knappen Jahr
genau in dieser Gegend der Wüste ein Flugzeug urplötzlich
vom Radarschirm verschwunden war und rund 100 Meilen entfernt dann am
Boden zerschellte. Da in den Nächten darauf viele Meldungen
über Lichter am Himmel der Wüste eingetroffen waren, war
möglicherweise ein UFO beteiligt gewesen. Das war für die
beiden Hinweis genug, um noch einmal heimlich und diesmal nachts in
die Wüste vorzudringen.
Ein Wissenschaftler namens Billings, der eng mit dem toten Leiter des
Instituts befreundet war, ließ sich nicht davon abbringen, sie
zu begleiten. Er beobachtete das Lager von der einen, Cliff und Judy
von der anderen Seite aus. Der Nadelturm war fast völlig
wiederhergestellt. Irgendwann wurde Billings urplötzlich von
einem wahren Teppich an Termiten überrannt, die sich wie
verrückt in jedem Stückchen Haut des Wissenschaftlers
verbissen. Doch die Schmerzen dauerten nur Sekunden, dann
durchfluteten ihn fremdartige, aber ungeheuer beruhigende
Gedanken.
Bald darauf ging er zu den beiden Marshals, sprach kurz mit ihnen und
schlug dann den völlig überraschten Cliff nieder. Als er
sich Judy zuwandte, hatte diese ihre Überraschung
überwunden und wehrte sich. Billings sprach plötzlich von
sich in der Mehrzahl und versprach, daß niemand es schaffen
würde, die Erreichung des großen Ziels zu verhindern. Bald
gewann Judy dank ihrer Nahkampfausbildung die Oberhand und schickte
den Wissenschaftler ins Reich der Träume.
Cliff erwachte gerade wieder, als sich Abermillionen Termiten zum
Angriff entschlossen. Da half nur noch die Flucht in den Jeep. Doch
kaum hatten sie diesen völlig erschöpft erreicht,
mußten sie feststellen, daß alle Reifen platt waren.
Bevor die Termiten sie schließlich erreichen und auch ihrem
Leben ein Ende setzen konnten, stoppte die Armee unvermittelt und
kehrte wie von Geisterhand gelenkt mit präzisen Bewegungen zu
ihrem Bau zurück.
Dennoch war den beiden Marshals klar, daß sie die Wüste
ohne Auto niemals lebend würden verlassen können. Der Weg
war einfach zu weit. Und das einzige noch intakte Fahrzeug war das
von Kimberly Jackson. Also zurück in die Höhle des
Löwen.
Völlig erschöpft, aber unverletzt erreichten sie es
schließlich - nur um dort feststellen zu müssen, daß
ein etwa 2m breiter Ring aus Milliarden von Termiten dieses
vollständig umgab. Auch der "Sendemast" war wieder vollkommen
mit geflügelten Insekten bedeckt. Erschöpft und mutlos
gaben die beiden die Hoffnung auf, drehten wieder um und stolperten
dabei zufällig über eines der Motorräder, das den
ersten Opfern des UFOs gehörte.
Nun hätten sie fliehen können, was aber wahrscheinlich den
Tod der drei Wissenschaftler bedeutet hätte. Also fuhren sie
durch den Ring der Termiten mitten ins Lager. Dort wußte Cliff
noch von paar Reservekanistern für den Generator, und die
schnappte er sich unverzüglich. Er öffnete sie und
schleuderte sie dann auf den Termitenbau. Der dritte Schuß
erzeugte den erhofften Funken, und das Benzin entzündete sich in
einer gewaltigen Explosion.
Als er das Bewußtsein wiedererlangte, war dort, wo zuvor der
Termitenbau gewesen war, nur noch ein tiefer Krater. Was auch immer
sich dort befunden haben mochte, war nun restlos zerstört. Die
überlebenden Termiten verhielten sich wieder wie ganz normale
Insekten.
18)
"Bigfoot - Die lebende Legende" von Uwe Voehl
Jimmi Gimp, von Beruf Jäger, dessen indianische Familie schon
seit Jahrhunderten in den Mammoth's Mountains von Kanada lebte,
folgte seinem Hund auf einem seltsamen Pfad in den Wald. Dort fand er
Spuren, die selbst er keinem einheimischen Tier zuordnen konnte.
Irgendwie menschenähnlich mit langen Krallen, aber viel
größer. Irgendwann war sein Hund weg, und er fand nur noch
ein paar blutige Fellbüschel. Als er sich auf den Heimweg
machte, bemerkte er, daß seine Uhr zersplittert war und er
irgendwie 4 Stunden verloren hatte.
Tags darauf kehrte er zurück, denn er wollte - mußte -
dieses Geheimnis lösen. Kaum war er auf dem seltsamen Pfad
angelangt, blieb seine Uhr erneut stehen. Dennoch ging er weiter.
Tief in den Bergen sah er dann seltsame Leuchterscheinungen am
Himmel. Dann wurde er dann von einer Herde Mammuts eingekreist, die
eigentlich seit Jahrtausenden als ausgestorben galten. Noch schlimmer
als diese Unmöglichkeit war ihr Blick, aus dem eindeutig
Intelligenz sprach. Sie schienen zu beraten, was sie mit ihm machen
sollte, als Hundegebell ertönte. Jimmis Hund. Die Mammuts
flüchteten in Panik, und Jimmi stand tatsächlich kurz
darauf seinem Hund gegenüber. Auch in dessen Augen glomm
deutlich Intelligenz - und teuflische Boshaftigkeit, so daß
Jimmi den Mut verlor und auch er panisch den Weg zurückrannte,
den er gekommen war.
Auch Judy und Cliff waren nun in dieser Gegend eingetroffen, die
Mammoth's County genannt wurde. Grund war die
Gerüchteküche, die die Sichtung eines Bigfoots
ausgelöst hatte. Ein Millionär hatte für stichfeste
Beweise 1 Mio $ Belohnung ausgesetzt und die gleiche Summe noch
einmal, wenn ein lebendes Exemplar gefangen wurde. Hier wurden sie
von Senator Campbell mit einem neuen Auftrag erwartet.
Es ging darum, daß gleichzeitig mit den Sichtungen des Bigfoots
auch vermehrt Ghost Rider-Aktivitäten aufgefallen waren. Judy
und Cliff erhielten den Auftrag, den Bigfoot, falls es ihn
tatsächlich geben sollte, vor allen anderen
Glücksjägern zu finden und an den Senator zu
übergeben. Als Einstieg gab er ihnen Namen und Adresse von Jimmi
Gimp, wo sie bereits als Touristen angekündigt waren.
Außerdem teilte er ihnen mit, daß ihre besonderen Rechte
als Marshals in Kanada selbstverständlich nicht galten.
Nachdem sie Jimmi getroffen und seine Geschichte gehört hatten,
verabredeten sie sich mit ihm für den kommenden Tag, damit er
sie zu dem Pfad führen solle. Zuvor machten sie noch eine
Erkundungstour mit dem Motorrad und fanden ein ziemlich versteckt
liegendes Gebäude, das sich Prähistorisches Institut
nannte. Nicht nur die hohen Drahtzäune und das
äußerst zurückhaltende Auftreten des Leiters, Dr.
Lambert, gaben den beiden Anlaß dazu, dieses Institut mit
Argusaugen zu begutachten.
In Wirklichkeit hatte Dr. Lambert bereits seit Wochen ein Exemplar
eines Steinzeitmenschen in seinem Labor. Er war schwerverwundet
aufgefunden worden und wurde nun wieder aufgepäppelt - nur um
dann weitere Untersuchungen an ihn durchführen zu können.
Nachdem sie herausgefunden hatten, daß der Steinzeitmensch
PSI-begabt war, brachten sie eine Frau, die dessen Gedanken deutlich
empfangen konnte, dazu, Dr. Lambert zu unterstützen.
So erfuhren sie, daß der Steinzeitmensch wohl mit
Außerirdischen Kontakt gehabt hatte. Danach konnte er
plötzlich die Gedanken seiner Sippe lesen. Die Gedanken wurden
dann etwas verwirrend; jedenfalls wachte er irgendwann auf, und alles
war anders. Irgendwie hatte es ihn wohl in die heutige Zeit
verschlagen. In seiner Verwirrung wollte er sich selbst den
Schädel einschlagen. So wurde er von Mitarbeitern des Instituts
gefunden. Die junge Frau erkannte bald, daß das Institut
für eine geheime Behörde arbeitete und nicht das Wohl ihres
Gefangenen im Sinn hatte. Deshalb verhalf sie dem Steinzeitmenschen
zur Flucht.
Cliff und Judy hatten inzwischen direkt in den Mammoth's Montains die
Leiche eines Jugendlichen gefunden, der Bigfoot-Spuren nachgemacht
hatte. Die Spur eines zweiten Jungen führte zu einer Spalte im
Fels, doch sie verlor sich rasch im tiefer gelegenen
Höhlensystem. Jimmi war jedoch ein erfahrener Fährtenleser
und konnte sie weiter führen. Dabei wurden sie von einem der
Bigfoot-Jäger begleitet, den Cliff nicht hatte abwimmeln
können.
Bald fanden sie den Jungen und auch den Bigfoot. Dieser verletzte
Cliff schwer, bevor Jimmi ihn mit dem Gewehr niederstrecken konnte.
Erst dann erkannten sie, daß dies unmöglich der
legendäre Bigfoot sein konnte. Dazu war er zu klein und zu wenig
behaart. Vielmehr handelte es sich um einen Neandertaler. Doch jetzt
mußte zuerst einmal Cliff in ein Krankenhaus gebracht werden.
Judy begleitete ihn, während Jimmi den Leichnam des
Neandertalers bewachte.
Kaum waren die beiden US-Marshals weg, ließ der
Bigfoot-Jäger die Maske fallen und gab sich als NSA-Agent zu
erkennen. Bevor er den Leichnam jedoch konfiszieren konnte, erschien
plötzlich eine junge Frau in der Höhle. Scheinbar
mühelos überwand sie den Willen der beiden Männer und
befahl ihnen, die Höhle augenblicklich zu verlassen. Das letzte,
was Jimmi wahrnahm, war ein gleißendes Licht.
Der Neandertaler wurde niemals wiedergesehen - ebensowenig die junge
Frau, deren Körper offensichtlich von einem Außerirdischen
übernommen worden war.
19) "Die
Macht der Gedanken" von Jesse Custer
Bizarre Mordfälle stellten die Polizei von Miami vor ein
Rätsel. Es sah so aus, als hätten sich sämtliche
Organe und Muskeln der Opfer bis zum Bersten ausgedehnt. Jeremy McKay
versuchte, die Morde zu vertuschen. Alle Opfer waren nämlich
Wissenschaftler, die gemeinsam an einem Top-Secret-Projekt der NSA
gearbeitet hatten. Doch der ermittelnde Polizist Edward Clay
ließ sich nicht so schnell abspeisen und behielt eine Kopie der
Ermittlungsdaten.
Inzwischen wurden Cliff und Judy von Senator Campbell mit einem
anderen Fall beauftragt - einer mysteriösen Grabschändung,
die zwei Besonderheiten aufwies. Zum einen wurde das Grab
offensichtlich von innen geöffnet - oder genauer: aufgesprengt.
Zum anderen war der Tote, Daniel Grover, ein NSA-Agent gewesen.
Jeremy McKay hatte vor einigen Monaten den nicht gerade klugen, aber
paranomal begabten Daniel Grover angeworben und ihn in ein
Geheimprojekt mit der Bezeichnung Projekt PP gesteckt, ohne diesen in
die Details einzuweihen.
Von dem ihnen noch immer nicht näher bekannten Informanten Buzz
erfuhren Cliff und Judy, daß Grover wegen seiner großen
Geisteskräfte in einem Geheimprojekt eingesetzt worden war, in
dem diese weiter ausgebaut werden sollten. Offenbar waren dort auch
Eingriffe in sein Gehirn und den genetischen Code vorgenommen worden.
Näheres zu seinem Tod gab es zwar nicht, dafür aber eine
lange Liste mit zerstörtem, teurem medizinischen Gerät.
Außerdem waren zwei der beteiligten Wissenschaftler in Miami
unter höchst mysteriösen Umständen ums Leben gekommen;
die Fälle waren jedoch überraschend schnell zu den Akten
gelegt worden.
Als sie bei der Polizei nach dem ermittelnden Beamten fragten,
hörten sie, daß Inspektor Clay im Krankhaus lag und der
ganze Fall von Jeremy McKay übernommen worden war. Die NSA hatte
die Einmischung von Clay übelgenommen und eine deutliche Warnung
ausgesprochen.
In der Pathologie erfuhren sie von Dr. Hills, daß der
Autopsiebericht, den die NSA vorgelegt hatte, glatt gelogen war. Die
Behörde hatte ihm den interessantesten Fall seiner Laufbahn
entzogen, und entsprechend war er auf sie zu sprechen. Deshalb zeigte
er den beiden US-Marshals auch ein paar Fotografien der Leiche, die
seine These eindeutig belegten. Der Tote war von innen regelrecht
gesprengt worden, und Cliff fand, daß dies ein deutlicher
Querverweis auf Daniel Grover war, dessen Grab ebenfalls aufgesprengt
worden war.
Auf einen Tip von Campbell hin wandten sich die beiden an das St.
Andrews Care Center. Dort lebte ein weiterer Wissenschaftler aus dem
früheren Projekt PP, und Jeremy McKay war dort offenbar mit
seiner Truppe aufmarschiert, um Grover abzufangen.
Während seiner Zeit im Projekt stellte Grover bald fest,
daß er weniger ein Teilnehmer als eher das Projekt selbst war.
Immer wieder mußte er Wissenschaftlern seine Fähigkeiten
vorführen. Dann mußte er immer wieder ein seltsames
Flugobjekt steuern, dessen Bedienung sich ihm scheinbar wie von
selbst erschloß. Allerdings war die Informationsflut zu
groß für ihn, was immer wieder zu Unfällen
führte, bei denen Grover teilweise schwer verletzt wurde - was
die Wissenschaftler aber nicht davon abhielt, ihn weiterzutreiben.
Grover war den Männern völlig ausgeliefert.
Schließlich wurde er auf einen Operationstisch geschnallt. Die
Wissenschaftler hatten herausgefunden, daß seine Versuche, das
UFO zu steuern, unzulänglich waren, weil die Anzahl der Synapsen
in betroffenen Bereich seines Gehirns zu gering war. Deshalb
unterzogen sie ihn bei vollem Bewußtsein einer
Schädelöffnung, um ihm durch ein Loch im Schädel ein
Wachstumsenzym zu spritzen.
Da wurde plötzlich eine Art Ventil in Grovers Kopf frei; seine
mentalen Kräfte potenzierten sich. Er schleuderte seine Peiniger
davon und befreite sich von der Liege. Er zerstörte
blindwütig alle Geräte, derer er ansichtig wurde, und zwang
den Geist eines der Wissenschaftler in den Wahnsinn. Bald bemerkte
er, daß er sich in elektrischen Leitungen ebenso bewegen konnte
wie in menschlichem Geist.
Irgendwann konnte er nicht mehr weiter; eine Flucht schien
unmöglich. Deshalb versetzte er seinen eigenen Körper in
eine komatöse Todesstarre, die nicht einmal die Ärzte als
solche erkannten, weshalb sie ihn schließlich für tot
erklärten. Schließlich erwachte Grover wieder in seinem
Grab, befreite sich und machte sich auf, um sich an seinen Peinigern
zu rächen - an allen bis hin zu McKay, dem er sein Schicksal ja
zu verdanken hatte.
Dabei hatte er seine Kräfte jedoch nicht mehr völlig im
Griff. Seine paranormalen Sinne waren permanent auf Empfang
geschaltet, so daß er alles mitbekam, was die Menschen seiner
Umgebung dachten. Es war wie permanenter Lärm, der sich nicht
mehr ausschalten ließ. Als er die psychiatrische Klinik
erreichte, in der der Wissenschaftler untergebracht war, steigerten
sich seine Qualen noch weiter.
Doch McKay war schon da und wollte gerade mit dem Patienten die
Klinik verlassen. Grover ließ sich jedoch nicht aufhalten.
Zuerst entledigte er sich mit mentalen Kräften der bewaffneten
NSA-Sicherheitsbeamten. Dann wandte er sich dem Verwirrten zu, denn
McKay sollte alles bis zum Schluß beobachten. Doch dieser
riß geistesgegenwärtig seine Pistole hoch und verwundete
Grover. Als dieser zurückschlagen wollte, traf er auf McKays
geistige Barriere. Dieser geistige Zweikampf dauerte an, bis Cliff
und Judy eintrafen und den verstörten Wissenschaftler
retteten.
Inzwischen waren einige der NSA-Männer wieder erwacht und
stellten sich Grover nun ebenfalls zum Kampf - einem Kampf des
Geistes, zu dem sie ausgebildet worden waren. Jeder für sich
genommen hätte keine Chance gehabt, aber zusammen waren sie eine
echte Herausforderung. Chancenlos zwar, aber amüsant für
Grover - wenn da nicht die zunehmenden Schmerzen gewesen wären.
Sein Gehirn schien sich unter der Anspannung ausdehnen zu wollen. Und
auch seine Organe und Muskeln schienen plötzlich zu wachsen...
zu explodieren.
Grover war tot und die NSA-Männer schwer angeschlagen, als
endlich die örtliche Polizei eintraf. Mit ihnen brachten Judy
und Cliff den Wissenschaftler in Sicherheit, bevor McKay eingreifen
konnte. Trotz seiner Verwirrung sprach er noch von einem Raumschiff
und einem Projekt PSI-Pilot, bevor er seinen schweren
Hirnverletzungen schließlich erlag.
20)
"Viren-Alarm!" von Carter Jackson
In einem kleinen Örtchen namens Willowdale beging das
Gaunerpärchen Harry und Meggy einen Banküberfall.
Eigentlich eine recht unspektakuläre Angelegenheit, wenn die
Bewohner des Ortes nicht überraschend aggressiv reagiert
hätten. Den beiden blieb schließlich nichts anderes
übrig, als eine Geisel zu nehmen und zu flüchten.
Doch nichts lief an diesem Tag so wie geplant. Je weiter sich die
Gangster von Willowdale entfernten, desto schlechter ging es der
Geisel, die Breaker hieß. Geschwüre bildeten sich in
Minutenschnelle auf der Haut des Mannes, bis er schließlich
kollabierte. Die beiden warfen ihn deshalb rasch aus dem Wagen und
rasten davon. Eine Polizeistreife fand den Schwerverletzten, wurde
aber von ihm angegriffen. Die Beamten hatten keine andere Wahl, als
ihn zu erschießen. Harry und Meggy wurden nur wenig später
an einer Straßensperre erschossen.
Der Notarzt brachte Breakers Leiche mit ins Krankenhaus, da sie
vermutlich obduziert werden würde. Als der Arzt kurz darauf
während einer Darmoperation einer Patientin völlig sinnlos
Nieren und Milz entfernte, zeichnete sich ab, daß die Sache
wohl noch lange nicht ausgestanden war.
Für Senator Campbell schien der Zwischenfall mit dem Arzt Grund
genug gewesen zu sein, seine beiden US-Marshals im Sonderauftrag auf
den Fall anzusetzen. In der Klinik angekommen erfuhren sie zwei
Dinge. Der Arzt war nicht irgendwie durchgedreht oder verwirrt,
sondern hatte der Patientin mit voller Absicht die Organe entfernt
und seine Kollegen sogar bedroht, als sie diese wieder einsetzen
wollten. Das zweite war, daß der Arzt die Nacht wohl nicht
überleben würde. Er war ins Koma gefallen, und auf seinem
Gesicht bildeten sich häßliche Geschwüre. Alle
Testergebnisse zeigten, daß das, woran der Mann litt, nicht
ansteckend war. Irgendwann erwachte der Arzt kurz und schrie immer
wieder laut: "...zu weit weg... von daheim..." Dann zerplatzte sein
Gesicht, und er starb.
Aufgrund dieses Zwischenfalls - und weil mit Breaker dasselbe
passiert war - wurden beide Leichname sofort unter Quarantäne
gelegt. Irgendwie schien eine Übertragung doch möglich zu
sein, auch wenn völlig unerklärbar blieb, auf welche Weise.
Die Blutuntersuchung Breakers erbrachte dann einen ebenso
überraschenden wie erschreckenden Befund. Sein Blut war
regelrecht übersät mit einem aller Anschein nach
anorganischen Virus, der so klein war, daß man ihn erst unter
dem Röntgenmikroskop entdeckt hatte.
Dieser Virus, so unglaublich es klang, vervielfachte die Zahl der
weißen Blutkörperchen und erhöhte dadurch die
körperliche Resistenz des Körpers um ein Vielfaches.
Außerdem wurde gleichzeitig die körperliche
Leistungsfähigkeit ganz erheblich erhöht. Allerdings gab es
offenbar keinen Mechanismus, der die Vermehrung der weißen
Blutkörperchen wieder stoppte, so daß der Körper
über kurz oder lang daran sterben mußte. Die Vermutung
wurde laut, daß die Infektion über direkten Blutkontakt
erfolgte.
Als kurz darauf der Pathologe zu toben begann, mußten die
beiden US-Marshals feststellen, daß von den Viren befallene
Menschen wirklich starke Gegner waren, denn der Arzt war schier
unaufhaltsam. Erst als sich sein Gesicht mit Geschwüren
auszubeulen begann, kehrte für einen Moment das klare Denken
zurück und der Pathologe sprang aus dem Fenster.
Senator Campbell beauftragte das Seucheneinsatzkommando, der
Krankheit auf den Grund zu gehen. Bis die Männer eintrafen,
wollten Cliff und Judy die Quelle der Seuche ausfindig machen.
Breaker war der erste gewesen, bei dem man die Viren entdeckt hatte.
Also brachten sie seine Adresse in Erfahrung und machten sich nach
Willowdale auf.
Dort erlebten sie aber eine Überraschung. Niemand schien Breaker
zu kennen; selbst die Meldebücher wiesen seinen Namen nicht aus.
Doch die offenkundige Ablehnung, auf die sie trafen, und der eine
oder andere Hinweis machten deutlich, daß man sie anlog. Was
wollte man vertuschen? Wußte man hier von dem Virus? War aus
den Worten der Infizierten, daß sie zu weit weg von Daheim
wären, etwa darauf zu schließen, daß der Virus
harmlos war, wenn man sich nicht aus Willowdale entfernte? War dies
eine Art Sicherheitsfunktion, weil der Virus noch im Teststadium
war?
Da sie Breakers Adresse hatten, machten sie sich zu seinem Haus auf
und entdeckten dort sein Tagebuch. Anfang letzten Jahres raste eine
Grippeepidemie durch Willowdale, die mehrere Menschen an den Rand des
Todes brachte. Doch wurden alle durch ein Serum, das ihnen nach
Aussage des Sheriffs von einem anonymen Spender geschenkt worden war,
innerhalb einer Nacht völlig geheilt. Dafür nahm man die
kleine Nebenwirkung, daß alle ein wenig griesgrämiger
wurden, gerne hin.
Auch Breaker fühlte die Aggression in sich, wie ein
Pulverfaß, das auf einen umherfliegenden Funken wartete.
Dafür nahmen bei ihm aber bald Ausdauer und physische Kondition
zu, wie er es noch nie verspürt hatte. Zweimal im Monat kamen
der Sheriff und der örtliche Arzt Dr. Pike vorbei, um ihm zur
Vorsorge Blut abzunehmen. Dies geschah offenbar bei allen Einwohner
des Ortes, was Breaker doch seltsam vorkam.
Als Breaker eines Tages einen Besuch im Nachbarort machen wollte,
mußte er feststellen, daß all seine neugewonnene Kraft
schier aus ihm herauszufließen schien. Dazu kamen immer
stärker werdende Kopf- und Gliederschmerzen, die ihn
schließlich dazu bewogen, wieder umzukehren. Kaum war er
zurück in Willowdale, fühlte er sich wieder so gesund wie
tags zuvor. Seither hatte er den Ort nicht mehr verlassen.
Als Cliff und Judy das Haus Breakers wieder verlassen wollten, wurden
sie von praktisch der gesamten Stadtbevölkerung erwartet. Am
Hintereingang erschien der Sheriff und feuerte aus seiner
Schrotflinte ohne Vorwarnung auf die beiden Marshals. Cliff konnte
rechtzeitig ausweichen, und ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf
setzte den Ordnungshüter des Ortes schachmatt. Dann flohen sie
durch den Garten, von einem tobenden Mob verfolgt, der sein Geheimnis
schützen wollte.
Kurz entschlossen knackte Cliff einen Landrover, und mit dem
Geländewagen schossen sie davon. Notgedrungen mußte er
dabei ein paar der Einwohner überfahren, doch diese standen
direkt nach dem Zusammenstoß gleich wieder auf.
Schließlich verließen die beiden Willowdale und fuhren in
Richtung Norden davon. Eine Verfolgung mußten sie ja nicht
fürchten.
Doch sie hatten sich zu früh gefreut, denn ihnen kam der Deputy
mit dem Polizeiwagen entgegen und rammte sie, so daß beide
Fahrzeuge nunmehr Schrott waren. Sie hatten die Wirkungsgrenze des
Virus' wohl doch noch nicht erreicht. Der Deputy konnte ihnen nach
einem Treffer aus der Pumpgun, die Cliff im Landrover gefunden hatte,
nicht weiter gefährlich werden. Aber da tauchte der Sheriff
wieder auf und schoß Cliff an. Doch Judy schoß
zurück und verwundete den Angreifer schwer.
Dann versuchte sie ein Psychospiel. Sie schilderte dem scheinbar
Unsterblichen, daß Breaker auch durch eine Kugel den Tod
gefunden hatte, und nun würde der Sheriff ebenso daran
zugrundegehen. Plötzlich wurde der Mann doch unsicher, und die
mögliche Hilfe durch die beiden Fremden ließ ihn
darüber sprechen, was wirklich passierte. Allerdings kam er
damit nicht weit, konnte nur von einem Projekt reden, für das er
ausgewählt worden war. Dann verzog sich sein Gesicht; er
entriß Cliff den Revolver und erschoß sich selbst.
Nach diesem Vorfall verließen die beiden endgültig
Willowdale und informierten Campbell. Kaum zwei Stunden später
war Willowdale von Nationalgarde und Seuchenschutzkommando
völlig abgeschirmt. Es dauerte nicht lange, und ein Antiserum
gegen den Virus war entwickelt. Die Hintergründe wurden jedoch
nie aufgedeckt.
21) "Der
Abgrund" von Uwe Voehl
Die junge Ärztin Barbara Truß verfügte seit dem
heutigen Morgen plötzlich über die Gabe, bei allen Menschen
allein durch einen Blick ins Gesicht alle Krankheiten und deren
Ausbreitung und Gefährlichkeit zu diagnostizieren. Diese Gabe
wurde ihr von einem Mann in einem schwarzen Anzug verliehen, der sie
mittags aufsuchte. Bei ihm funktionierte ihre Fähigkeit
nicht.
An einem anderen Ort entdeckte ein Archäologe ein derart
riesiges und fremdartiges Skelett aus der Urzeit, daß ihn der
Fund berühmt machen würde. Auch ihm erschien der Mexikaner
in schwarzem Anzug. So ähnlich ging es auch einem kürzlich
berühmt gewordenen Schriftsteller.
Ein Zusammenhang mit ihrem neuen Fall war Cliff und Judy bisher noch
nicht bewußt. Sie waren nach Kalifornien geschickt worden, weil
sich bei einigen New-Age-Gruppen und UFO-Gläubigen in den
letzten Wochen die Selbstmordrate drastisch erhöht hatte. Der
Senator hatte schon vor zwei Monaten einen seiner eigenen Leute auf
den Fall angesetzt, aber dieser hatte sich vor zwei Tagen auf offener
Straße selbst erschossen.
Garcia hatte die letzte Zeit in einer Hippie-Kommune außerhalb
von San Diego verbracht, und die beiden US-Marshals machten sich
umgehend dorthin auf den Weg. Dort war man nicht gerade gut auf
Garcia zu sprechen, denn er hatte eine Frau geschwängert und war
dann mit der Haushaltskasse abgehauen. Auch Judy und Cliff begegnete
man sehr feindselig. Einzig die Aussage des Sprechers, daß die
Menschen von den beiden US-Marshals geträumt hätten, war
irgendwie verdächtig. - und natürlich die Aussage,
daß diese Träume das einzige waren, was Garcia nicht von
ihnen bekommen hätte.
Von Garcias ehemaliger Freundin im Camp erfuhren sie, daß die
Menschen dort seit Jahren mit praktizierender Traumerfahrung
experimentierten. Garcia hatte sich ihnen angeschlossen, aber diese
Form des Träumens konnte süchtig machen, wenn man die
natürlichen Grenzen nicht einhielt, und das hatte Garcia nicht
getan. Insbesondere, seit er von Fernando Guez gehört hatte.
Dieser war so etwas wie der Guru der Gemeinschaft gewesen und hatte
die Grenzen, hinter denen der Geist sich verwirren konnte,
bewußt überschritten. Garcia folgte diesen
gefährlichen Traumpfaden, und eines Tages war er verschwunden.
Von ihrer Ghost Rider-CD erfuhren sie kaum etwas über diesen
Fernando Guez. Der Mexikaner war kurzzeitig observiert worden und
regelmäßiger Besucher des Dream Research Centers gewesen.
Mangels anderer Hinweise machte sich Judy zu diesem Institut auf,
während Cliff die Selbstmordfälle untersuchte.
Cliff hatte bald mehr Erfolg als beabsichtigt, denn es gab weitere
Fälle. In dem Camp, in dem sie am Morgen gewesen waren, hatte es
einen Massenselbstmord der Bewohner gegeben. Hier ging es für
Cliff aber auch nicht weiter. Doch andernorts wurde ein
18jähriges Mädchen beerdigt, das ebenfalls Selbstmord
begannen hatte. Von ihren Eltern erfuhr Cliff, daß Fernando
Guez sie mit seiner Traumsucht völlig abhängig gemacht
hatte. Als er sie dann fallenließ, brach sie völlig
zusammen, hatte nur noch Alpträume und brachte sich
schließlich um.
Judy hingegen war in dem Institut tatsächlich auf den gesuchten
Fernando Guez getroffen, der hier offenbar der Chef war. Sie hatte
sich einen ausgedachten Traum zurechtgelegt, doch von der Stimme des
Mannes wurde sie regelrecht hypnotisiert. Was sie ihm genau
erzählte, wußte Judy nachher nicht mehr zu sagen, doch
Guez erschien sehr zufrieden und sagte, daß er sie bereits
erwartet hätte. Bevor sie etwas dagegen tun konnte, nahm Guez
sie dank seiner starken Geisteskräfte mit auf die verbotenen
Pfade, weil er sie für herausragend begabt hielt.
Als sie aus schrecklichen Träumen wieder erwachte, erklärte
der Guru ihr, daß es keine echten Träume waren. Vielmehr
hatte ihr hochtalentierter Geist eine andere Realität gesehen,
die auch aus Lovecrafts Universum hätte stammen können.
Guez war sehr zufrieden und wollte an einem anderen Tag mit ihr
weiterarbeiten. Judy schlich kurz nach Verlassen seines Büros
wieder zurück und belauschte ihn und seinen Assistenten. Sie
schien seiner Meinung nach wirklich ungewöhnlich begabt zu sein
und eine starke Verbindung zu den "Fremden" zu haben. Mit ihrer Hilfe
wollte er das Rätsel lösen, das ihre Träume umgab.
Doch er hatte auch erkannt, daß Judy nicht die war, die zu sein
sie vorgegeben hatte.
Guez spürte, daß ihm die Zeit davonlief. Er hatte die
ersten drei fähigen Träumer, Dr. Truß und beiden
Männer, zwar bereits zu sich gebracht, doch sie waren noch nicht
bereit. Und irgendwer schien ihm nachzuspüren. Er hatte gedacht,
mit der Beseitigung Garcias endlich Ruhe zu haben, aber diese
Davenport und ihr Partner, von dem sie geträumt hatte, waren ihm
auf der Spur. Und wer wußte schon, wer noch? Die Gefolgschaft
auf der Farm hätte ihn sicherlich bald unabsichtlich verraten,
und deshalb blieb nur, sie kollektiven Selbstmord verüben zu
lassen.
Deshalb beeinflußte er die drei Träumer nun suggestiv,
ebenso wie die Davenport, der er nur vorgegaukelt hatte, daß
sie das Center gestern verlassen hatte, und wollte nun heute nacht
versuchen, die Spur zu jener fremden Macht zu finden, die ihre
Träume kontrollieren konnte. Um nicht gestört zu werden,
machte er zuvor Cliff ausfindig und verpaßte diesem einen
Suggestiv-Block, der die Gedanken an Judy immer wieder wegdriften
ließ und ein paar zusätzlich Überraschungen für
diesen parat hielt.
Guez brauchte die vier, um den letzten der geheimen Pfade zu
betreten, die ihm selbst verschlossen waren. Er fuhr mit ihnen zum
atlantischen Ozean, wo seine Kräfte störungsfrei wirken
konnten, und mit Hilfe der vier gelang es ihm, den Pfad in seinen
Träumen, die er bewußt steuern konnte, tatsächlich
selbst zu erreichen. Die alptraumhafte Umgebung berührte ihn
dabei nicht, da er seine Ängste verdrängen konnte. Bald
stand er mehreren fremden Gestalten gegenüber, und er
jubilierte, wähnte er sich doch am Ziel seiner Träume. Judy
war die einzige, die diese Gestalten kannte. Sie war ihnen begegnet,
vor rund einem Jahr, als ihre Erinnerung gelöscht wurde. Seither
fehlten ihr einige Stunden.
Guez sprach die Fremden an, deren freundliches Gebaren sich
plötzlich änderte, als sie bemerkten, daß er wach war
und bewußt Kontakt mit ihnen aufnahm. Jemand mit solchen
Fähigkeiten war eine Gefahr für sie, und deshalb nahmen sie
ihn mit in ihre parallele Realität des Horrors.
Die anderen wurden mit freundlichen Gedanken eingelullt, und ihnen
wurde die Erinnerung an die Geschehnisse genommen. Nur Judy behielt
einen Hauch von einem Gefühl zurück, als die Fremden
über ihren Bauch streichelten und darüber sprachen,
daß es bald soweit sei.
22) "Der
Werwolf" von Carter Jackson
In der South Bronx von New York verschwinden immer wieder obdachlose
Menschen. Das war schon lange so und störte eigentlich
niemanden. Aber als in kleine Teile zerrissene Leichen auf einem
Schrottplatz entdeckt wurden, machte dies schon ein wenig Wirbel.
Insbesondere, wenn man bedachte, daß es dort viele hundert
Ratten gab - und die Leichenteile von diesen nicht angetastet worden
waren. Die ersten Untersuchungen ergaben, daß wohl ein Tier die
Opfer zerrissen hatte.
Unsere beiden US-Marshals waren gerade in der Stadt und auf den Fall
aufmerksam geworden. Obwohl ein Serienkiller oder Tote durch
Raubtiere eigentlich nicht in ihren Fachbereich fielen, sprachen ein
paar der Indizien doch dafür, daß möglicherweise mehr
dahintersteckte. Deshalb entschlossen sie sich, ein wenig tiefer in
der Sache zu stöbern.
Einem glücklichen Zufall verdankten sie es, daß sie einen
Obdachlosen trafen, der alle oder doch zumindest die meisten der
Opfer gekannt hatte. Von ihm erfuhren sie, wann der erste von ihnen
verschwunden war, sowie auch den Namen von einem weiteren, der
möglicherweise etwas mehr wußte. Dabei hätten sie
beinahe den Mörder gesehen, als dieser ihren Informanten kurz
nach dem Gespräch tötete. Auch ein Sozialarbeiter, der fast
alle Obdachlosen hier kannte, konnte ihnen außer einer Liste
mit den Namen der Verschwundenen nicht weiterhelfen.
Von dem zweiten Informanten namens Willy Sullivan bekamen sie die
Beschreibung und einen Teil des Kennzeichens eines Wagens, der immer
in den Nächten auftauchte, wenn ein Obdachloser verschwand. Die
Überprüfung der Angaben ergab, daß in New York 11 in
Frage kommende Wagen zugelassen waren - und einer davon gehörte
dem ihnen bekannten Sozialarbeiter Ernest Gregory.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, wurde der Sozialarbeiter
übergangslos aggressiv und hätte die beiden Marshals
beinahe tätlich angegriffen. Der Rauswurf, den er ihnen
verpaßte, war tatsächlich die letzte Stufe vor
Handgreiflichkeiten.
Die Untersuchung der Toten hatte inzwischen einige Neuigkeiten
gebracht. Als Tatwaffe kamen nur Krallen, Klauen oder
Reißzähne in Betracht. Speichelreste an den Wunden ihres
Informanten bewiesen eindeutig, daß der Täter ein Mensch
und kein Raubtier war. Und ein paar gefundene Haare wiesen Gene von
einem Polarwolf auf. Einige seiner Gene waren aber eindeutig
menschlich. Handelte es sich um ein Zwitterwesen oder um eine seltene
Krankheit, wie bei den Vampiren vor rund einem Jahr?
Als der Mann, der zur Observierung von Gregory abgestellt worden war,
ebenfalls von der Bestie getötet wurde, brachen die beiden
Marshals kurzerhand in Wohnung des Sozialarbeiters ein und fanden
eine große Menge Drogen. Offenbar hatte dieser die South-Bronx,
wo sich Polizisten nur selten blicken ließen, zu seinem
Stützpunkt gemacht und verscherbelte dort seine Drogen an
zahlungskräftige Kunden. Das machte ihn zwar zu einem
Verbrecher, aber noch nicht zum gesuchten Mörder.
Dennoch machten sie sich sofort auf die Suche nach ihm und fanden
sein Auto bei dem Schrottplatz, auf dem die Leichenteile gefunden
worden waren. Während der Suche hörten sie einen grausigen
Todesschrei, und als sie in diese Richtung liefen, knickte Judy um.
Cliff fand die geköpfte Leiche von Ernest Gregory und wurde
sogleich von der Bestie angefallen. Er hatte keine Chance, und
wäre nicht genau in diesem Moment Professor Stanley Collins
aufgetaucht, der die Bestie erschoß, wäre es um Cliff
geschehen gewesen.
Der berühmte Zoologe und Wolfsforscher, der auch die Haaranalyse
der bei den Toten gefunden Haare durchgeführt hatte und dem die
beiden Marshals schon bei der Vampir-Sache begegnet waren, war diesem
"Mann" schon seit Jahren auf der Spur gewesen. Diese zog sich seit
den 80ern durch die verschiedenen Staaten der USA. Nun endlich war er
gestellt. Es handelte sich um Willy Sullivan, den Obdachlosen, der
sie auf die Spur des Sozialarbeiters geführt hatte.
Als sie später dessen Bretterbude untersuchten, fanden sie ein
paar alte Dokumente. Willy Sullivan hieß in Wirklichkeit Vasili
Dvorcak und kam aus St. Petersburg, wo er 1744 geboren war. Ein
Genuntersuchung bewies, daß seine DNA mit der bei den Toten
gefundenen übereinstimmte - aber bei Dvorcak konnte keinerlei
tierische DNA festgestellt werden.
23) "Das
Netz der Astronauten" von Carter Jackson
In einem geheimen Forschungslabor der NSA mußte der ehemalige
Astronaut James Woodward seit einem halben Jahr seine Zeit damit
verbringen, den Abschaum der Menschheit telepathisch auszuhorchen,
und dabei seine eigenen Fähigkeiten verbessern. Hierbei wurde er
vom Leiter des ESPER-Zentrums, Dr. Körber, beaufsichtigt. Seit
er auf McKays Vorschlag eingegangen war, auf diesem Weg der Anklage
für den Mord an seiner Frau zu entgehen, war er nun hier.
Nun saß er einer 27jährigen, offenbar schizophrenen Frau
namens Stephanie Dale gegenüber und sollte herausfinden, was die
Ursache für ihre Krankheit war. Stephanie Dale war nach dem Tod
ihrer Eltern bei ihren Großeltern aufgewachsen. Als diese
ermordet wurden und die damals 17jährige verschwunden blieb,
galt sie als weiteres Opfer des Killers. Bis die NSA sie
zufällig entdeckt und hierher gebracht hatte.
Mit den typischen Kopfschmerzen, die ihn immer noch quälten,
wenn er in den Geist einer anderen Personen eindrang, ging es
schließlich los, und Woodward erfuhr die Geschichte der kleinen
Stephanie. Ihre Großeltern machten die 7jährige für
den Tod ihrer Tochter verantwortlich und quälten sie für
die allerkleinsten Verfehlungen schier unmenschlich. Dazu kam noch,
daß sich ihr Großvater an dem kleinen Mädchen
verging, sooft es ihm nur möglich war, und sie später als
Jugendliche sogar auf den Strich schickte.
Der Geist des Mädchens war den Martyrien nicht gewachsen und
floh in die Schizophrenie. Jedesmal, wenn sie wieder Unglaubliches
erdulden mußte, bildete sich eine neue Persönlichkeit, die
damit besser klarkam. Irgendwann, als Stephanie 17 war, bildete sich
Daphne, die Grausame. Diese tötete ihre Großeltern, und
als schließlich Stephanie wieder die Oberhand erhielt, lief sie
geschockt davon.
Irgendwie war bei dieser telepathischen Verbindung alles anders
gewesen als sonst. Woodward hatte die Geschehnisse nicht nur
beobachtet - er war Stephanie selbst in all ihren
Persönlichkeiten gewesen. Betroffen machte er sich auf den Weg
zu seinem Zimmer, als es in seinem Kopf plötzlich Klick zu
machen schien. Von einem Moment auf den anderen war er sich
bewußt, daß er nichts lieber täte, als dieses Labor
und die NSA augenblicklich zu verlassen - egal, welche Konsequenzen
dies für ihn hätte. Und er wußte auch schon ganz
genau, wo er hingehen würde. Nach Houston, Texas. Daß alle
seine Astronauten-Kollegen vom letzten ENDEAVOUR-Flug in diesem
Moment genau das Gleiche empfanden, wußte natürlich keiner
von ihnen.
Nach dem, was Woodward in Stephanies Geist gesehen hatte, wollte er
sie nicht hier zurücklassen, und so flohen sie gemeinsam. Dabei
stellte er fest, daß sie genausoviel über ihn zu wissen
schien wie er über sie. War die mentale Durchleuchtung
zweigleisig abgelaufen?
Als die Polizistin Harriet "Dirty Harry" Martineau von der Ehefrau
eines der verschwundenen Astronauten um Hilfe gebeten wurde,
erinnerte sie sich an die beiden US-Marshals Cliff Conroy und Judy
Davenport und bat wiederum diese um Unterstützung.
Bald fanden sich erste Hinweise. In der Klapperschlangenschlucht,
also dort, wo sich der Astronaut Tim Lattinger vor einem halben Jahr
in den Tod gestürzt hatte (obwohl seine Leiche bis heute nicht
gefunden werden konnte), wurde die Leiche eines Naturfreundes
entdeckt, der dort seit ebenfalls etwa sechs Monaten lag.
Überraschend war, daß er vor etwa einem Monat mit seiner
Kreditkarte eine Lagerhalle im Hafen Houstons gemietet hatte.
Offenbar hatte sich sein Mörder seiner Kreditkarte bedient, und
die zeitliche Übereinstimmung mit Lattingers Verschwinden war
einfach zu prägnant, um diesem Hinweis nicht nachzugehen.
In der Lagerhalle fanden sie, in mit Nährflüssigkeit
gefüllten Röhren und mit einem riesigen Computer verbunden,
die vermißten Menschen... unter ihnen auch Tim Lattinger. Sie
schienen mit jeder Sekunde in diesem Gebilde zu altern, als ob die
Flüssigkeit ihnen die Lebenskraft entzog. Dies galt für
alle außer Lattinger, der kerngesund schien. Da sonst niemand
in der Halle war, sahen sie sich um.
Sie fanden interne NASA-Unterlagen über die Marsmission
Pathfinder, die für den kommenden Sommer geplant war. Und sie
fanden Stephanie, die sich inzwischen in Woodward verliebt hatte und
auch jetzt noch geistig mit ihm in Verbindung stand. Dieser
wünschte sich, daß Cliff und Judy rasch gehen sollten,
denn die Mission war bald vollendet. Doch als Judy Stephanie
erklärte, daß damit auch Woodward wegen des
Alterungsprozesses sterben würde, bot diese ihre Hilfe an.
Es gelang Stephanie, mit ihrem Geist in das Netzwerk menschlicher
Gehirne und des Computers einzudringen, die die Mission Pathfinder
sabotieren wollten. Das reichte schon, um dieses filigrane geistige
Netz zu zerstören. Alle Astronauten erwachten nach und nach, bis
auf Tim Lattinger, der offenbar allein zu vollenden versuchte, was
sie zusammen begonnen hatten. Dabei alterte nun sein Körper um
so rascher, und schließlich gab es eine Entladung, die die
ganze Apparatur zerstörte.
Ein Teil der ihnen entzogenen Lebensenergie war offenbar
zurückgeflossen - die Astronauten waren zwar immer noch
älter als tags zuvor, aber keine Greise mehr. Die Menschen waren
kaum aus dem Lagerhaus geflüchtet, als dieses schon in einer
gewaltigen Explosion zerbarst. Bevor sie nun endgültig
verschwinden konnten, tauchten Agenten von McKay auf und nahmen den
entflohenen Woodward wieder in Gewahrsam.
24) "Aus
tiefsten Tiefen" von Andreas Schröter
Der St.-Viktor-Graben war dazu auserkoren worden, um in ihm einen
neuen Tiefenrekord mit einer Tauchkugel aufzustellen. Doch bevor der
Meeresgrund auch nur annähernd erreicht worden war, wurde die
Kugel plötzlich von irgendetwas allmählich abgebremst, und
die Stahltrossen hingen durch. Bei dem ebenso plötzlich
gestörten Funkverkehr zur Kugel konnte ebenfalls keine Ursache
ausgemacht werden.
Auch das Hochziehen ging wesentlich schwieriger, als es sein durfte.
Als ob entweder das Gewicht an den Stahltrossen zugenommen hätte
- oder als ob die Kugel aus einer zähen Masse herausgezogen
werden mußte. Als sie schließlich geborgen war und das
Schiff sich gerade noch vor einem aufziehenden Unwetter in Sicherheit
bringen wollte, wurde die Kugel immer noch wie eine Boje auf hoher
See durchgeschüttelt. Für einen kurzen Moment sah der
Kapitän etwas, das sich an der Kugel festgehalten hatte, dann
driftete das Ding in die Tiefen des Meeres davon. Eine spätere
Untersuchung zeigte, daß auf der Unterseite der Tauchkugel alle
Anbauten abgerissen waren und die Kugel selbst viele Dellen und
Beulen aufwies, die nicht erklärt werden konnten.
Cliff und Judy waren von Senator Campbell an den Atlantik in Urlaub
geschickt worden. Als sie in der örtlichen Zeitung von seltsamen
Zwischenfällen lasen, wurde ihr detektivischer Instinkt wach.
Zum einen waren in den letzten Tagen sechs Hai-Kadaver angespült
worden, deren Körper unerklärlich zerfetzt gewesen waren.
Zum anderen hatte man in 30 m Tiefe eine vermißte Segelyacht
entdeckt, die ein Leck im Rumpf hatte, das eindeutig von außen
zugefügt worden war. Von dem ebenfalls vermißten
Pärchen wurde nur der Mann tot aufgefunden - und dieser war
offenbar unter Wasser von irgendetwas regelrecht zerquetscht
worden.
Die vermißte Frau namens Jenny Liggers tauchte tags darauf bei
einer meeresbiologischen Unterwasserstation 70 m unter der
Wasseroberfläche auf. Nicht nur ihr auf geistige Verwirrung
schließendes Verhalten ließ die Forscher stutzig werden,
sondern insbesondere die Tatsache, daß ihre Sauerstoffflaschen
unten verbeult, eingerissen und deshalb voller Meerwasser gelaufen
waren. Wie sie bis hierher hatte tauchen können, war völlig
unklar.
Als die Wissenschaftler versuchten, ihr ein Beruhigungsmittel zu
spritzen, bewertete die Frau dies scheinbar als Angriff und wehrte
sich. Mit übermenschlichen Kräften brach sie dem einen Mann
das Genick und tötete schließlich einen nach dem anderen.
Nur Samuel Stehen kam davon, denn er war durch ihre erste Attacke
bewußtlos geworden, und Jenny hatte sich nicht weiter um ihn
gekümmert. Als er seine toten Kollegen fand - und insbesondere
eine gallertartige Masse, die einem von ihnen aus dem Mund dann ganz
allein aus der Kabine kroch - machte er sich auf, um durch die
Schleusenkammer zu fliehen.
Doch Jennys Anwesenheit und vielleicht auch das Stück Gallerte,
das in ihren Tauchanzug kroch, machten irgendetwas mit der
Elektronik, so daß er die äußere Schleusentür
nicht mehr öffnen konnte. Wenigstens konnte er noch den
automatischen Notruf aktivieren. Dieser wurde von der
Küstenwache empfangen, wo auch Judy und Cliff sich gerade
über die seltsamen Vorkommnisse erkundigt hatten.
Jenny wußte genau, daß der Mann in der Schleuse ihr Feind
war und sterben mußte. Doch der Weg dorthin war ihr versperrt.
Also suchte sie eine Alternative und fand sie bald. In der Schleuse
befand sich eine Dusche, mit der man sich das Salzwasser abwaschen
konnte. Diese war mit dem Wasserkreislauf der Unterwasserstation
verbunden. Deshalb löste sich aus ihrem Rachen ein großer
Brocken der Gallertmasse, kroch in den nächsten Wasserhahn und
floß dann langsam durch die Brause in der Schleuse in diese
hinein, wo er sich Samuels annahm.
Cliff und Judy ließen es sich nicht nehmen, sich den Tauchern
des Rettungsteams anzuschließen. Dort trafen sie bald auf Jenny
und Samuel. Dieser erklärte ihnen, daß alle außer
ihnen beiden bei einem plötzlichen Druckabfall ums Leben
gekommen waren. Jenny und er selbst hätten sich in dieser Zeit
zufällig in der Schleusenkammer befunden und nur deshalb
überlebt. Die Toten hatten sie in den Kühlraum gebracht.
Jenny hatte er aus einem Schlauchboot gerettet und in die Station
gebracht.
Cliff schien diese teilweise schier haarsträubende Geschichte zu
glauben und fuhr Judy in die Parade, als sie ihre Zweifel anmeldete.
Schließlich zog der Rettungstrupp wieder ab. Jenny und Samuel
blieben auf eigenen Wunsch hier. Cliff schloß sich ihnen an. Da
Judy äußerst mißtrauisch geworden war - insbesondere
wegen des seltsamen Verhaltens ihres Partners - blieb sie ohne Wissen
der drei ebenfalls auf der Station.
Bald hatte Judy einen Videorekorder entdeckt, mit dem ständig
Außenaufnahmen gemacht wurden. Dort fand sie ein Band mit
Aufnahmen, wie Jenny an Bord der Station gekommen war - mit eigenem
Taucheranzug. Danach war die Aufnahme gestoppt worden. Warum hatte
Samuel gelogen?
Um Cliff zu warnen, verließ sie die Zentrale und fand bald
darauf den bewußtlosen Körper von Samuel. Sie rannte
weiter und fand die beiden Gesuchten in einer Kabine, deren
Wände blutbespritzt waren. Dort saß die fast nackte Jenny
auf Cliff und war dabei, diesen zu erdrosseln.
Judys Karateschlag auf den Hals ließ Jenny zwar vom Bett
fallen, richtete aber weiter keinen Schaden an. Die Frau ließ
von Cliff ab und wandte sich nun Judy zu. Diese erkannte, daß
sie es nicht mehr mit einem Menschen zu tun hatte - an den
gallertartigen Augen ohne Iris und Pupillen. Die unglaubliche
Selbstsicherheit, mit der diese nun auf Judy zugeschritten kam,
ließ bei ihr alle Alarmglocken aufschrillen, doch es war
bereits zu spät.
Jennys Augen platzten auf, und die Gallertmasse sprang auf Judy zu
und hielt sie fest, während sie in ihren Mund kroch.
Plötzlich konnte Judy die Gedanken des fremden Wesen verstehen.
Eine große Kugel hatte es getroffen und mit sich gezerrt, ohne
daß es sich befreien konnte. Es war hinauf an die
Wasseroberfläche gezogen worden, die dem Wesen fremd und
unheimlich war. Dann wurde es von anderen Wesen angegriffen, die es
fressen wollten, und es verteidigte sich. Als ein weiteres Wesen es
berührte und ihm Schmerzen verursachte, suchte es eine andere
Lösung seines Problems. Es nistete sich in diesem Wesen ein und
machte sich dessen feste Substanz zunutze.
Im Körper der Frau vernichtete es verräterische Spuren
(deren Partner und das Schiff). Dann machte es sich auf - zurück
in seine eigene Welt. Zufällig traf es auf die künstlich
erschaffene Station. Die dortigen Wesen wollten ihm wehtun, und
wieder mußte es sich wehren. Aber es kamen immer mehr seiner
Feinde, und es gelang ihm nur mit Mühe, diese zu
täuschen.
Einer blieb zurück, der irgendeinem unbekannten Einfluß
von Jenny unterlegen war. Als es sich dieses Problems entledigen
wollte, tauchte schon wieder eine andere Frau auf. Das Wesen
entschloß sich diesmal, diese auch zu übernehmen, um mehr
über seine Feinde zu erfahren. Deshalb kroch es in sie hinein...
und fand dort etwas, das nicht zu Judy gehörte - von dem sie
selbst nichts wußte. Es war fremd, bereitete Schmerzen und
zwang das Wesen, Judy sofort wieder zu verlassen.
Judy war wieder frei, doch geschockt von den fremden Gedanken. Sie
erinnerte sich an ihre Bauchschmerzen vor neun Monaten und die kleine
Narbe, die zurückgeblieben war. Nun floh der Angreifer vor
etwas, das in ihr war. Ihre Bauschmerzen kehrten zurück,
schlimmer als je zuvor. Plötzlich tauchte Samuel auf und
versuchte, Judy mit einer Axt zu erschlagen. Dieser gelang es jedoch,
zu entwischen.
Langsam wurde das fremde Wesen der Menschen überdrüssig.
Deshalb zerstörte es die Druckregulierung der Station, damit das
Wasser eindringen konnte und alle dort von allein den Tod finden
würden. Dann wandte sich Samuel der Schleuse zu und schwamm ohne
Taucheranzug nach Hause - in den St.-Viktor-Graben.
Die drei Menschen in der Station hatten nur noch zwei
Taucheranzüge - die, mit denen Cliff und Judy zur Station
gekommen waren. Also mußten sie sich mit dem Atmen abwechseln.
Mit Hilfe eines Wassergleiters gelang es, die Station rasch und ohne
Anstrengung zu verlassen. Auf halben Weg trennte sich Cliff von den
beiden Frauen, um zu versuchen, Samuel zu retten.
Als er ihn endlich fand, trennte sich das Meereswesen gerade von dem
Wissenschaftler. Und da Cliff da war, um mit ihm den Sauerstoff zu
teilen, schafften es die beiden ebenfalls bis nach oben, wo sie wie
die beiden Frauen von der Küstenwache geborgen wurden.
25)
"Kontakt!" von Carter Jackson
Die letzten Wochen waren mehr als anstrengend für die beiden
US-Marshals Judy Davenport und Cliff Conroy gewesen. Sie waren so oft
in tödliche Situationen geraten, daß sie begonnen hatten,
sich langsam aber sicher immer weiter von ihrer bisherigen
Tätigkeit zu distanzieren. Nun war es soweit, und die beiden
hatten beschlossen, ihre Tätigkeit für Senator Campbell
endgültig aufzugeben und die UFO-Akten zu schließen.
Doch kaum einen Tag vor den Treffen mit dem Senator, da sie diesem
ihren Beschluß mitteilen wollten, überfielen Judy nachts
unglaubliche Bauchschmerzen. Die Narbe, die sie vor rund einem Jahr
nach dem Spaziergang im Wald bei Uncton zum ersten Mal entdeckt
hatte, war entzündet. Ihr Bauch wölbte sich vor wie bei
einer Frau, die im 4. oder 5. Monat schwanger war. Und das, obwohl
vor drei Stunden noch nichts zu sehen gewesen war.
Sie entschloß sich, zunächst einmal nichts zu unternehmen,
und da ihr Bauch am nächsten Morgen wieder so flach wie gewohnt
war, mußte sie auch Cliff nichts davon erzählen. Doch der
Schmerz kehrte bald zurück, und Judy verlor in Cliffs Armen das
Bewußtsein. Im Krankenhaus wurde schließlich
festgestellt, daß Judy tatsächlich im 6. Monat schwanger
war. Außerdem befand sich nur wenig unter ihrer Bauchdecke ein
kleiner metallischer Körper, den man sicherheitshalber sofort
herausoperierte. Um was es sich bei der tablettengroßen Kapsel
handelte, fand man jedoch auch nach gelungener Operation nicht
heraus.
Auf eigenen Wunsch wurde Judy vorzeitig entlassen, denn sie wollte
unbedingt zu ihrem Termin mit Senator Campbell. Dort angekommen
erfuhren sie jedoch, daß dieser entführt, seine Frau
chloroformiert, sein Arbeitszimmer verwüstet und sein
Leibwächter erschossen worden war.
McKay hatte Campbell entführen lassen. Er zeigte diesem
zunächst ein echtes UFO, das neben einem zweiten 1947 bei
Roswell abgestürzt war. Seitdem wurde versucht, es zu
reparieren. Dann kam McKay auf sein eigentliches Anliegen zu
sprechen. Campbell einfach zu töten, würde zuviel Wirbel
erzeugen. Deshalb würde man ihm zunächst sein ganzes Wissen
über Ghost Rider entziehen und ihm dieses dann wegnehmen, so
daß er weiter als erfolgreicher Senator, aber nicht länger
als UFO-Jäger tätig sein könnte.
Judy und Cliff entschlossen sich, praktisch als ihre letzte
Amtshandlung, den Senator zu suchen und wenn möglich zu
befreien. Als plötzlich der geheimnisvolle Buzz auftauchte und
ihnen mitteilte, daß die NSA Campbell entführt hatte,
wußten sie zumindest, daß sie in deren Hauptquartier in
Ford Meade die Suche beginnen mußten. Auf ihrem Flug gab sich
Buzz den beiden zu erkennen. Er war Colonel Edwin Aldrin, der dritte
Mann beim ersten Mondflug.
McKays erster Versuch, Campbell sein Wissen mittels eines Telepathen
zu entziehen, scheiterte, weil dieser sich auf die gleiche Weise
dagegen zu schützen wußte wie McKay selbst. Also begann
die nächste Stufe des Verhörs mit chemischen Drogen.
Diese sollten verhindern, daß der Senator auf Fragen mit
Lügen oder gar nicht antwortete. Es war, als würden die
Antworten unter Umgehung des bewußten Denkens direkt auf seine
Zunge gelegt. Doch als die Sprache auf die beiden US-Marshals kam,
schaffte es der Senator, die Wirkung der Droge zu überwinden und
die Antworten zu verweigern.
Buzz hatte Kleidung und Ausweise von NSA-Technikern besorgt, und es
gelang ihnen überraschend einfach, in das
Hochsicherheitsgebäude einzudringen. Von einem Kontaktmann
innerhalb der NSA wußte Buzz, daß sich Campbell irgendwo
in den Untergeschossen in einem Bereich namens S4 aufhielt. Und
tatsächlich gelangten sie ohne Zwischenfall bis zu seiner
Zelle.
Hier verkleideten sie sich nun als NSA-Ärzte und nahmen den
Senator mit sich. Auf dem Weg nach draußen mußten sie
mehrfach Sicherheitspersonal ausweichen und entdeckten dabei
zufällig einen Kühlraum, in dem die Leichen von
Außerirdischen aufbewahrt wurden.
Beinahe wäre die Flucht so leicht gelungen wie der Weg herein,
aber sie liefen ausgerechnet McKay in die Hände, der sie sofort
erkannte. Doch noch einmal hatten sie Glück und entwischten in
einem Lift nach oben bis ins Erdgeschoß. Einen medizinischen
Notfall vortäuschend, gelangten sie unbehelligt bis zu ihrem
Wagen. Mit diesem schafften sie es - durch wilden Kugelhagel hindurch
- tatsächlich, das Gelände der NSA unbeschadet zu verlassen
- verfolgt von McKay und seinen Schergen.
Um zu entkommen, mußten sie sich bald trennen. Deshalb sprangen
Cliff und Judy mit dem Senator an einer verdeckten Stelle aus dem
Wagen, und Buzz spielte für seine Verfolger den Köder, um
den dreien die Flucht zu ermöglichen. Doch Buzz wollte auf
Nummer Sicher gehen und zündete wenige Augenblicke darauf eine
Bombe in seinem Wagen, damit die NSA annehmen sollte, sie wären
alle bei der Explosion ums Leben gekommen.
Mit Campbell zusammen, in dessen Zustand, wäre eine weitere
Flucht zu Fuß sinnlos gewesen. Deshalb verbargen sie den
Senator und liefen allein weiter. Doch McKay entdeckte sie bald und
stellte sie. Bis Verstärkung eintraf, erriet Judy den geheimen
Auftrag des NSA-Mannes. Da es nicht gelungen war, die
außerirdischen Raumschiffe mit Telepathen allein zu steuern,
sollte er Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen und diese zur
Zusammenarbeit überreden.
Überrascht mußte McKay eingestehen, daß dies zutraf,
konnte die beiden mit diesem Wissen aber nicht weiterleben lassen. In
einem verzweifelten Versuch sprang Cliff den NSA-Agenten an, wurde
jedoch rasch überwältigt. Als plötzlich ein
Hubschrauber mit starkem Scheinwerfer auftauchte und ihn zum
Fallenlassen seiner Waffe aufforderte, war dieser kurzfristig aus dem
Konzept gebracht. Dies nutzte Cliff und schlug ihm die Waffe aus der
Hand. McKay war ihm körperlich jedoch weit überlegen,
schlug ihn zur Seite und zog seine zweite Waffe. Doch Judy hatte
inzwischen die fallengelassene Waffe aufgehoben und erschoß
ihren Gegner.
Plötzlich erwärmte sich das Metallplättchen, das sie
aus Judy Bauch herausoperiert hatten, und ein riesiges UFO tauchte am
Nachthimmel auf. Der NSA-Hubschrauber stürzte ab, und eine
Brücke aus Licht entstand - vom UFO ausgehend bis zum Erdboden.
Judy wußte plötzlich, was das bedeutete. Sie
verabschiedete sich von Cliff, denn sie mußte nun gehen -
für das Baby. Doch Cliff, der sich eingestand, daß er Judy
liebte, folgt ihr in das Raumschiff.
Senator Campbell hatte alles mitangesehen, und noch ehe das
Raumschiff gänzlich verschwunden war, hatte er alle Schmerzen
weitgehend verdrängt und sich zum Highway geschleppt. Er
würde dafür sorgen, daß alles über die fremden
Besucher publik werden würde.