Jürgen Heinzerling:

"Der Schatz der Perseiden"

(Gene Roddenberrys Andromeda – Band 2)
D 2002
(180 Seiten, Hardcover, vgs, ISBN 3-8025-2916-2, EUR 12,90)
- erschienen: Juni 2002 -

Tarn-Vedra, der Heimatplanet des Commonwealth, ist seit der Langen Nacht verschollen. Zwar behaupten seitdem immer wieder zahlreiche Raumfahrer, sie hätten Slipstream-Routen entdeckt, die nach Tarn-Vedra führen würden, aber das sind nur Gerüchte. Doch es gibt tatsächlich jemanden, der den Weg nach Tarn-Vedra weiß – Hasturi, der Perseide. Der ist aber ebenso verschollen wie Tarn-Vedra. Oder hat er sich einfach nur an einen geheimen Ort zurückgezogen?
Während Trance und Harper eine Mission in der Mendocino Drift absolvieren, geraten sie in die Hände von Gerentex. Daß diesem der Kopfgeldjäger Reaper auf den Fersen ist, ist noch das geringstes Problem – Gerentex erpreßt beide, um endlich den Weg zu Hasturi zu finden. Und als Trance in einem Kasino jede Menge Geld gewinnt, um den Chip mit dem Aufenthaltsort von Hasturi zu bekommen, sind ihnen auch noch die Stationsmarshalls auf den Fersen.
Dylan und Beka dagegen haben Mühe, die Perseiden vom Vorteil des Commonwealth zu überzeugen. Trotz aller diplomatischen Kniffe gelingt es ihnen voläufig nicht, die Perseiden zu überreden. Und von dem Schlamassel, in das Harper, Trance und Gerentex geraten sind, haben sie keinen Schimmer...

"Fear and Loathing in the Milkyway" bildet die Vorgabe für diese Romanumsetzung von Jürgen Heinzerling. Doch Jürgen beschränkt sich nicht auf eine reine Nacherzählung der Episode – dafür hätte dann die Schrift vermutlich noch größer sein müssen – sondern fügt mit der Vergangenheitsebene rund um Harper eine zweite Handlungsebene ein. Vor die Kapitel stellt Jürgen Auszüge aus Harpers Silpmails, zweimal einen Tagebucheintrag von Trance und dann jede Menge Postings aus diversen Foren. Ein Stilmittel, das geschickt benutzt wird. Denn so verleiht Jürgen neben den Vergangenheitskapiteln der Figur des Harper noch etwas Tiefe. Und verteilt nebenbei recht bissige Seitenhiebe auf Hummel-Figurinen, die am Ende des Romans als reine "Zielobjekte" für Harpers Waffenclub dienen. Daneben gibts noch nette Anspielungen auf McDonald-Restaurants, Magogtoiletten werden erwähnt, und überhaupt sind die Dialoge zwischen Trance und Harper gut in Szene gesetzt.
Im Gegensatz zum Roman von Frank Rehfeld hat man hier lebendige Charaktere vor sich – nun gut, Jürgen hatte den Vorteil, eine eigene Handlungsebene zu erfinden. Vielleicht, wenn hier denn noch etliche Romane folgen, ist das Frank auch gegönnt. Zudem ist der Aufbau des Romans auch etwas besser. Wie gesagt, die zweite Handlungsebene um Harper, die auf der Erde spielt, trägt dazu einen nicht unerheblichen Teil bei. Daß das Geheimnis um Tarn-Vedra nicht aufgelöst wird, mag man als Schwäche oder als Vorteil ansehen. Schwäche, weil die Handlungsebene nicht innerhalb des Romans zu Ende gebracht wird und er somit nicht ganz "rund" wirkt. Ein Vorteil aber, da man hier problemlos mit einer eigenen Handlung anknüpfen kann, die sich dann nicht mehr an den Fernsehfolgen orientiert. Jürgen hat in diesem Roman den Mittelweg gewählt – und das war eine gute Entscheidung.

Fazit:
Andromeda-Fans werden an diesem Roman ihre helle Freude haben, besonders, wenn sie Harper-Fans sind. Wer auf rasante SF steht und sich nicht am Andromeda-Universum stört, kann mit dem Roman auch seinen Spaß haben – vor allem wegen der diversen Seitenhiebe.
13 Punkte

Christian Spließ


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