Walter Appel:

"Es ist nicht leicht, Vampir zu sein"

(Appels Verseschmiede - Band 1)
(80 Seiten, Paperback, wabook-verlag, keine ISBN, € 5, 95)
Homepage: www.wabook.de
- erschienen: April 2002 -

Anzuzeigen gilt es eines der ungewöhnlichsten Werke, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist.
Der Heftroman-Veteran Walter Appel entdeckte letztes Jahr, vielleicht ermutigt durch die positive Resonanz auf den reimenden Rocker Neptun aus seinem Roman "Yeothan 1- Ein Yeti am Kudamm", seine Lust am Dichten, ja seinen Drang zum Dichten, und so kam es, daß kaum ein Tag verging, an welchem er nicht irgendein Gedicht zu Papier, oder besser, in die Maschine brachte. Dieser Zustand "verschlimmerte" sich noch, als er auf die Idee kam, einen Gedichtszyklus um den Grafen Dracula zu schreiben, was die Gedicht-Pro-Tag-Frequenz noch beträchtlich erhöhte, bis er einen wirklich beeindruckenden Großzyklus, nicht nur an Dracula- Gedichten, geschaffen hatte.
Wiederum kam er dann auf die Idee, diese Gedichte in Buchform zu veröffentlichen, und stellte schnell fest, daß er schon so viele geschrieben hatte, daß ein einziger Band gar nicht ausreichen würde - und somit liegt nun "nur" der erste Band einer ganzen Serie von Gedichtbänden vor.
Der Band wird mit einigen Gedichten aus dem Dracula-Zyklus eröffnet; darauf folgen dann heitere und ernste Gedichte aus den Bereichen Grusel, Fantasy und SF. All das wird garniert durch anmerkende, teils erklärende Fußnoten, Überleitungen zwischen den einzelnen Gedichten und, ja, nicht zu vergessen, durch höchst gelungene Innenillustrationen von Werner Kurt Giesa (den man, glaube ich, nicht näher vorstellen muß) in seinem unverwechselbaren Stil. Auch das Titelbild ist von ihm und bietet schon mal einen schönen Einstieg in diesen höchst ungewöhnlichen Band.
Was ist nun zu den einzelnen Gedichten zu sagen? Nun, jetzt wird es schwer. Bei dieser Vielzahl von Gedichten, immerhin 50(!), ist es klar, daß einem nicht jedes Gedicht zusagen kann, und jeder wird wohl seine ganz eigenen Favoriten in dem Band haben. Ich persönlich kann sagen, daß mir die Gedichte aus dem Dracula-Zyklus meist nicht so zusagen; ich finde sie zu lang und teilweise zu albern (auch wenn einige gelungen Pointen dabei sind). Dafür gefallen mir die ernsten Gedichte um so besser, insbesondere das Gedicht "Wolfsblut" um einen Werwolf in einem KZ. Gerade weil man darüber trefflich streiten kann, ob dieses Gedicht nun geschmackssicher ist oder nicht, ist es sehr interessant und strahlt viel Atmosphäre und Tragik aus; mein Liebling des Bandes.
Wie gesagt, manchmal liegt in der Kürze die Würze, und am meisten gelacht habe ich über eines der kürzesten Gedichte des Bandes namens "Alien" (auf der letzten Seite), nur vier Zeilen lang - die Anmerkung danach ist ein echter Brüller.
Ich kann jetzt nicht zu jedem dieser Gedichte einen einzelnen Kommentar schreiben, das würde den Umfang dieser Rezension sprengen und auch einige Pointen vorwegnehmen. Bei der Lektüre all dieser Gedichte drängt sich auf jeden Fall der Eindruck auf, daß hier jemand mit viel Fabulierfreude und Enthusiasmus am Werke war, was sich auch teilweise auf den Leser überträgt.
Wie soll man so einen Band benoten? Nun, das ist extrem schwierig. Soll ich zu jedem Gedicht eine Einzelnote vergeben und dann einen Durchschnitt bilden? Um Gottes Willen. (* Himmel, nein! Tu uns das bloß nicht an! ;-) Heike) Fernerhin würde jede Note der Tatsache nicht gerecht werden, um was für ein höchst ungewöhnliches Werk es sich hier handelt, das es in dieser Form und Zusammenstellung so noch nicht gab. Ich hoffe deshalb, daß mir mein Chefredax es nachsieht, wenn ich diesmal keine FLASH-Note verteile; dieses Werk ist in Form und Inhalt so ungewöhnlich, daß mir, auch mangels Vergleichsmöglichkeit, einfach keine "vernünftige" Note einfallen will.
Schon damals, bei meiner Rezension von "Ein Yeti am Kudamm" hatte ich ankündigt, daß, wenn Walter Appel jemals einen Gedichtband herausbringt, ich dabei wäre. Nun, ich bin dabei! Wo bleibt Band 2?

Fazit:
In höchstem Maße ungewöhnliche Veröffentlichung von Gedichten des vor allem durch seine Gruselromane bekannt gewordenen Autors Walter Appel. Die Gedichte weisen natürlich eine unterschiedliche Qualität auf, aber da für jeden Leser etwas dabei sein dürfte und der Band in Form und Inhalt dermaßen außergewöhnlich und einmalig ist, kann man es sich eigentlich kaum leisten, diesen Band nicht im Bücherregal zu haben, selbst wenn einem einige der Gedichte nicht so zusagen sollten.

Oliver Naujoks

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