Anzuzeigen
gilt es eines der ungewöhnlichsten Werke, das mir in den letzten
Jahren untergekommen ist.
Der Heftroman-Veteran Walter Appel entdeckte letztes Jahr, vielleicht
ermutigt durch die positive Resonanz auf den reimenden Rocker Neptun
aus seinem Roman "Yeothan 1- Ein Yeti am Kudamm", seine Lust am
Dichten, ja seinen Drang zum Dichten, und so kam es, daß kaum
ein Tag verging, an welchem er nicht irgendein Gedicht zu Papier,
oder besser, in die Maschine brachte. Dieser Zustand "verschlimmerte"
sich noch, als er auf die Idee kam, einen Gedichtszyklus um den
Grafen Dracula zu schreiben, was die Gedicht-Pro-Tag-Frequenz noch
beträchtlich erhöhte, bis er einen wirklich beeindruckenden
Großzyklus, nicht nur an Dracula- Gedichten, geschaffen
hatte.
Wiederum kam er dann auf die Idee, diese Gedichte in Buchform zu
veröffentlichen, und stellte schnell fest, daß er schon so
viele geschrieben hatte, daß ein einziger Band gar nicht
ausreichen würde - und somit liegt nun "nur" der erste Band
einer ganzen Serie von Gedichtbänden vor.
Der Band wird mit einigen Gedichten aus dem Dracula-Zyklus
eröffnet; darauf folgen dann heitere und ernste Gedichte aus den
Bereichen Grusel, Fantasy und SF. All das wird garniert durch
anmerkende, teils erklärende Fußnoten, Überleitungen
zwischen den einzelnen Gedichten und, ja, nicht zu vergessen, durch
höchst gelungene Innenillustrationen von Werner Kurt Giesa (den
man, glaube ich, nicht näher vorstellen muß) in seinem
unverwechselbaren Stil. Auch das Titelbild ist von ihm und bietet
schon mal einen schönen Einstieg in diesen höchst
ungewöhnlichen Band.
Was ist nun zu den einzelnen Gedichten zu sagen? Nun, jetzt wird es
schwer. Bei dieser Vielzahl von Gedichten, immerhin 50(!), ist es
klar, daß einem nicht jedes Gedicht zusagen kann, und jeder
wird wohl seine ganz eigenen Favoriten in dem Band haben. Ich
persönlich kann sagen, daß mir die Gedichte aus dem
Dracula-Zyklus meist nicht so zusagen; ich finde sie zu lang und
teilweise zu albern (auch wenn einige gelungen Pointen dabei sind).
Dafür gefallen mir die ernsten Gedichte um so besser,
insbesondere das Gedicht "Wolfsblut" um einen Werwolf in einem KZ.
Gerade weil man darüber trefflich streiten kann, ob dieses
Gedicht nun geschmackssicher ist oder nicht, ist es sehr interessant
und strahlt viel Atmosphäre und Tragik aus; mein Liebling des
Bandes.
Wie gesagt, manchmal liegt in der Kürze die Würze, und am
meisten gelacht habe ich über eines der kürzesten Gedichte
des Bandes namens "Alien" (auf der letzten Seite), nur vier Zeilen
lang - die Anmerkung danach ist ein echter Brüller.
Ich kann jetzt nicht zu jedem dieser Gedichte einen einzelnen
Kommentar schreiben, das würde den Umfang dieser Rezension
sprengen und auch einige Pointen vorwegnehmen. Bei der Lektüre
all dieser Gedichte drängt sich auf jeden Fall der Eindruck auf,
daß hier jemand mit viel Fabulierfreude und Enthusiasmus am
Werke war, was sich auch teilweise auf den Leser
überträgt.
Wie soll man so einen Band benoten? Nun, das ist extrem schwierig.
Soll ich zu jedem Gedicht eine Einzelnote vergeben und dann einen
Durchschnitt bilden? Um Gottes Willen. (* Himmel, nein! Tu uns das
bloß nicht an! ;-) Heike) Fernerhin würde jede Note
der Tatsache nicht gerecht werden, um was für ein höchst
ungewöhnliches Werk es sich hier handelt, das es in dieser Form
und Zusammenstellung so noch nicht gab. Ich hoffe deshalb, daß
mir mein Chefredax es nachsieht, wenn ich diesmal keine FLASH-Note
verteile; dieses Werk ist in Form und Inhalt so ungewöhnlich,
daß mir, auch mangels Vergleichsmöglichkeit, einfach keine
"vernünftige" Note einfallen will.
Schon damals, bei meiner Rezension von "Ein Yeti am Kudamm" hatte ich
ankündigt, daß, wenn Walter Appel jemals einen Gedichtband
herausbringt, ich dabei wäre. Nun, ich bin dabei! Wo bleibt Band
2?
Fazit:
In höchstem Maße ungewöhnliche Veröffentlichung
von Gedichten des vor allem durch seine Gruselromane bekannt
gewordenen Autors Walter Appel. Die Gedichte weisen natürlich
eine unterschiedliche Qualität auf, aber da für jeden Leser
etwas dabei sein dürfte und der Band in Form und Inhalt
dermaßen außergewöhnlich und einmalig ist, kann man
es sich eigentlich kaum leisten, diesen Band nicht im
Bücherregal zu haben, selbst wenn einem einige der Gedichte
nicht so zusagen sollten.